Pharmabranche
Roche mit neun bitteren Monaten

Der Pharmariese Roche hat in den vergangenen neun Monaten einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Der starke Franken macht den Schweizern zu schaffen. Und nicht nur der.
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HB ZÜRICH. Die Unsicherheit über die US-Zulassung des Krebsmedikaments Avastin hat sich bei Roche im Umsatz niedergeschlagen. Zudem machen dem Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern der starke Franken und die wegbrechenden Verkäufe des Grippemittels Tamiflu zu schaffen. So sanken die Verkaufserlöse in den ersten neun Monaten um ein Prozent auf 36,13 Mrd. Franken (27,1 Mrd. Euro), wie Roche am Donnerstag mitteilte. In der wichtigen Pharma-Sparte fiel der Umsatz um zwei Prozent auf 28,4 Mrd. Franken.

Die nachlassende Nachfrage nach dem Umsatzrenner Avastin in den USA führte Roche-Pharmachef Pascal Soriot auf die jüngste Empfehlung der FDA zurück. Ein Expertenausschuss der US-Arzneimittelbehörde war im Juli zu dem Schluss gekommen, dass Avastin zu wenig Nutzen bei der Brustkrebsbehandlung bringt und hatte empfohlen, die im Jahr 2008 erteilte vorläufige Zulassung dafür zurückzuziehen.

Die FDA will bis zum 17. Dezember entscheiden. „Ärzte machen sich Gedanken über diese Indikation und fragen sich, ob es künftig noch eine Rückerstattung der Kosten dafür geben wird“, sagte Soriot in einer Telefonkonferenz. Sobald Klarheit herrsche, dürfte Avastin in den USA aber wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. In Europa, wo die Behörden ebenfalls eine Überprüfung eingeleitet haben, erwartet Soriot keine negativen Auswirkungen auf die Avastin-Verkäufe.

In den ersten neun Monaten erlöste Roche mit seinem umsatzstärksten Medikament fünf Mrd. Franken - ein Plus von elf Prozent unter Ausschluss von Wechselkurseffekten. Im dritten Quartal verlangsamte sich das Wachstum allerdings, im wichtigen US-Markt gingen die Umsätze von Avastin sogar zurück.

In Lokalwährungen gerechnet und unter Ausschluss der stark schwankenden Tamiflu-Verkäufe stieg der Konzernumsatz von Januar bis September um sechs Prozent, das Pharmageschäft wuchs um fünf Prozent. Roche befindet sich damit nach eigenen Angaben auf Kurs zu den angepeilten Jahreszielen. Angestrebt wird 2010 ein mittleres einstelliges Umsatzwachstum im Konzern und in der Pharma-Sparte - unter Ausschluss von Wechselkurseinflüssen und dem Grippemittel Tamiflu. Der bereinigte Gewinn je Genussschein und Inhaberaktie soll in Lokalwährungen gerechnet prozentual zweistellig steigen.

Wenig Neues gab Roche zu dem im September angekündigten Sparprogramm bekannt: Die Überprüfung der Firmenstrukturen sei auf gutem Weg und bis Jahresende sollen konkrete Maßnahmen feststehen. Ziel sei es, die Produktivität schneller zu steigern und die Innovationsfähigkeit zu verbessern.

Die „Bon“ genannten Roche-Genussscheine verloren im knapp behaupteten europäischen Gesundheitssektor 1,4 Prozent auf 137,20 Franken. Sie waren damit der größte Verlierer unter den Schweizer Börsenschwergewichten. Bei Roche geht nach den Rückschlägen für Avastin und anderen wichtigen Medikamenten sowie wegen der Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen eine jahrelange Boomphase zu Ende. Der Konzern rechnet in den kommenden Jahren mit einem langsameren Wachstum. Erst nach 2012 sollen neue Präparate wieder für Schub sorgen.

Gewinnzahlen veröffentlicht Roche nur für das Halbjahr und zum Jahresende.

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