Pharmabranche
Sanofi schafft Tierarznei-Marktführer

Die Pharmakonzerne Sanofi-Aventis und die fusionierenden Konzerne Merck & Co und Schering-Plough wollen den neuen Weltmarktführer in der Tiergesundheit schaffen. Das Ziel soll in zwei Schritten erreicht werden. Marktführer ist derzeit noch der US-Pharmakonzern Pfizer.

PARIS. In einem ersten Schritt übernimmt Sanofi von Merck die restlichen 50 Prozent am Joint-Venture Merial, die ihnen noch nicht gehören. Der Kaufpreis beträgt vier Mrd. Dollar in bar. Merial wird damit mit dem dreifachen Umsatz 2008 und dem zehnfachen Vorsteuergewinn bewertet.

In einem zweiten Schritt hat Merck Sanofi die Option eingeräumt, Merial mit der Tiergesundheitstochter Intervet von Schering-Plough zusammenzulegen. Der neue Tiergesundheitskonzern soll dann zu je 50 Prozent Sanofi und Merck/Schering-Plough gehören. Beide Konzerne seien davon überzeugt, dass Tiergesundheit eine langfristig attraktive Sparte sei, sagte Sanofi-Chef Christopher Viehbacher. Der Merger muss noch von den Kartellbehörden abgesegnet werden.

Pharmaexperten begrüßten Sanofis Zukauf. Aus Sicht der Analysten von Merrill Lynch ist der Deal sowohl strategisch als auch finanziell sinnvoll. Der Markt für Tiermedizin umfasste Merrill Lynch zufolge 19 Mrd. Dollar Umsatz im Jahr 2008 und wuchs um sieben Prozent. Dagegen wuchs der Markt für Arzneien für Menschen im selben Zeitraum nur um 1,9 Prozent, wie das Forschungsinstitut IMS Health ermittelte.

Marktführer bei Tierarzneien ist derzeit noch der US-Pharmakonzern Pfizer, der in diesem Segment 3,9 Mrd. Dollar Umsatz erzielt. Nummer zwei ist Intervet mit drei Mrd. Dollar Umsatz, gefolgt von Sanofis Tochter Merial mit 2,7 Mrd. Dollar. Diese Rangfolge wird sich nicht nur wegen der am Donnerstag verkündeten Zusammenlegung ändern: Pfizer und Wyeth, die ebenfalls fusionieren, wollen ebenfalls ihre Tiermedizin-Sparten verkaufen. Analysten zufolge zählen Bayer, Novartis und Boehringer Ingelheim zu den Interessenten. Bayer erwirtschaftete 2008 in dem Geschäft einen Umsatz von 963 Mio. Euro.

De Tierarznei-Markt ist aus zwei Gründen attraktiv: Zu einen sorgen sich die Menschen immer stärker um die Gesundheit ihrer Haustiere – auf dieses Segment entfallen 41 Prozent des Marktes. Das stärkste Wachstum kommt aber aus dem Geschäft mit Medikamenten für Nutztiere. Nach Schätzungen des Internationalen Verbandes der Tiermedizin steigt die Nachfrage nach Fleisch bis zum Jahr 2020 um 50 Prozent im Zuge der Bevölkerungswachstums. Das werde die Nachfrage nach Impfungen und Medizin für Schlachtvieh ankurbeln.

Merck & Co trennt sich von Merial in der Hoffnung, dass die Kartellbehörden der Gesamtfusion des Konzerns mit Schering-Plough zustimmen. Merck hätten sonst die Nummer zwei und 50 Prozent der Nummer drei im Tiermedizin-Markt gehört. Offen bleibt, ob die Kartellbehörden nun Merck und Sanofi erlauben werden, dass beide die neue Nummer eins gründen werden, die ihnen je zur Hälfte gehören soll.

Mit der Vollübernahme von Merial und der Aussicht, Co-Eigner des neuen Weltmarktführers zu werden, verringert der neue Sanofi-Chef Viehbacher wie versprochen die Abhängigkeit des französischen Konzerns vom klassischen Arzneimittelgeschäft. In diesem Segment kämpft der Konzern damit, dass die Entwicklung neuer Wirkstoffe immer höhere Milliardensummen verschlingt und der Verkaufs-Erfolg immer unsicherer wird. Viebachers Vorgänger Gérard Le Fur wurde aus dem Chefsessel bei Sanofi entfernt, da er zu sehr an der eigenen Pharmaforschung hing. Das unter seiner Ägide entwickelte Abnehm-Mittel Accomplia wurde ein teurer Flop.

Sanofi steht vor dem Problem, dass bis 2012 vier der zehn umsatzstärksten Medikamente den Patentschutz verlieren. Damit dürfte rund 20 Prozent des Umsatzes wegfallen. Dieses Loch will Viehbacher mit dem Wachstum in alternativen Geschäftsfeldern wie Impfstoffe und Tiermedizin füllen. Er rechnet durch der Übernahme von Merial mit einer Steigerung des bereinigten Nettogewinns ab dem ersten Jahr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%