Pharmabranche
Schmerzfrei durch die Krise

Die drohende Rezession hinterlässt in der Pharmabranche bislang so gut wie keine Spuren. In den letzten Wochen hat nahezu jeder zweite Pharma-Konzern seine Ertragsprognosen erhöht. Allerdings war die Branche mit relativ verhaltenen Prognosen in das Jahr gestartet. Hauptproblem des Pharmamarktes bleibt der Ablauf wichtiger Patente.

FRANKFURT. Das laufende Geschäft der Branche entwickelt sich 2008 im Schnitt sogar besser als ursprünglich erwartet. Als letzter der großen Pharmakonzerne bestätigte das am Freitag die französische Sanofi-Aventis. Mit einem Gewinnwachstum um knapp zwei Prozent auf 1,9 Mrd. Euro konnte der inzwischen zweitgrößte Pharmahersteller der Welt im dritten Quartal die Markterwartungen leicht übertreffen. Zugleich korrigierte der Konzern seine Prognose für das 2008 abermals nach oben, ähnlich wie am Tag zuvor bereits die Konkurrenten Astra-Zeneca und Novo Nordisk. Sanofi-Aventis rechnet jetzt mit einem Ertragsplus von neun statt bisher acht Prozent.

In den letzten Wochen hat damit knapp die Hälfte der 20 führenden Arzneimittelhersteller die Gewinnerwartungen erhöht. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, dass die meisten Unternehmen und Analysten mit relativ verhaltenen Prognosen in das Jahr gestartet waren. Zudem beziehen sich die Aussagen in aller Regel auf die so genannten bereinigten Ertragszahlen ("underlying earnings"), bei denen Faktoren wie Restrukturierungskosten, akquisitionsbedingte Abschreibungen, Schadenersatz- oder Strafzahlungen sowie Erträge aus Desinvestments ausgeklammert werden.

Unter dem Strich, das heißt inklusive aller Sonderfaktoren, ist die Entwicklung etwas differenzierter, aber gleichwohl positiv. Auf Dollarbasis legte der addierte Nettogewinn der Topkonzerne bis Ende September immerhin noch um etwa fünf Prozent zu, während die operativen Ergebnisse im Schnitt um mehr als acht Prozent höher als im Vorjahr ausgewiesen werden.

Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Der Pharmamarkt verliert zwar einerseits weiter an Schwung, wächst aber noch immer stärker als die Wirtschaft insgesamt. Für 2008 und 2009 rechnet IMS Health, der führende Marktforscher der Branche, mit einem währungsbereinigten Wachstum des Weltmarktes für Arzneimittel um jeweils 4,5 bis 5,5 Prozent. "Das Geschäft wird sich dabei weiter von den entwickelten Märkten in die Schwellenländer verlagern", sagt IMS-Experte Murray Aitken. Der US-Markt, auf dem die Pharmabranche bislang gut die Hälfte ihrer Gewinne erzielt, wird nach Schätzung der Marktforscher nur noch um ein bis zwei Prozent zulegen. Hier dürfte die allgemeine Konjunkturentwicklung laut Aitken stärkeren Einfluss auf die Pharmabranche entfalten als in früheren Jahren. Kompensiert wird die schwache Entwicklung in den USA jedoch zumindest teilweise von etwas höheren Wachstumsraten in Europa und Japan sowie von zweistelligen Steigerungen in Schwellenländern wie Brasilien, China, Indien, Korea oder Russland.

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