Pharmabranche
„Unser Mittel verhindert deutlich mehr Schlaganfälle“

Andreas Barner, Sprecher der Unternehmensleitung des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim, sieht seinen Konzern gegenüber dem Konkurrenten Bayer im Vorsprung. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Barner, warum das von seinem Unternehmen entwickelte Mittel Pradaxa zur Vorbeugung gegen Schlaganfall eine echter Durchbruch ist.

Herr Barner, erklären Sie einem Nichtmediziner, warum die Ergebnisse Ihrer Studie zum Einsatz von Pradaxa als Vorbeugung von Schlaganfällen Ihrer Meinung nach ein Durchbruch sind.

Es gibt seit mehr als 40 Jahren eine Standardbehandlung zur Blutverdünnung, die allerdings sehr kompliziert ist und der regelmäßigen Überwachung bedarf. Wenn wir nun ein Medikament entwickelt hätten, das ebenso gut wirkt wie die Standardbehandlung, aber einfacher zu handhaben ist, dann wäre das schon ein echter Durchbruch. Unsere Studie zeigt aber, dass Pradaxa sogar deutlich mehr Schlaganfälle verhindert als das Standardmittel, nämlich mehr als ein Drittel. Das ist medizinisch wirklich relevant.

Für wie viele Patienten kommt das Mittel in Frage?

Man geht davon aus, dass weltweit pro Jahr etwa drei Millionen Menschen einen Schlaganfall nach Vorhoffflimmern erleiden. Gefährdet sind ab einem Alter von 80 Jahren etwa 10 Prozent der Menschen, aber auch Jüngere sind gefährdet. Es sind also wirklich große Patientenzahlen. Hinzu kommt, dass derzeit viele Patienten mit Vorhofflimmern nicht behandelt werden, eben weil die Therapie mit dem Standardmittel so kompliziert ist und man ganz genau dosieren und überwachen muss.

Und wie sieht es mit Nebenwirkungen aus?

Die lebensbedrohlichen Blutungen sind bei Pradaxa deutlich reduziert im Vergleich zum Standardmedikament und erhöhte Leberwerte sind gar kein Thema. Solch gute Ergebnisse haben wir nicht erwartet.

Was heißt das für Boehringer Ingelheim?

Das ist für Boehringer Ingelheim natürlich erfreulich. Aber vor allem ist es eine gute Nachricht für die Patienten. Es gibt nicht nur eine Alternative zur bisherigen Standardbehandlung, sondern sogar eine Alternative, die besser ist.

Wie viel Umsatz trauen Sie Pradaxa zu?

Wir schätzen das nicht.

Analysten sprechen von Milliardenpotenzial.

Das ist gut möglich. Aber Schätzungen sind immer mit einer gewissen Ungenauigkeit behaftet.

Wann reichen Sie die Zulassung ein?

Wir wollen die Zulassung im vierten Quartal dieses Jahres international bei den verschiedenen Behörden beantragen. Und wir hoffen, dass wir ein Jahr später, also Ende 2010 die Zulassung erhalten.

Sie haben nach Analystenmeinung mindestens ein Jahr Vorsprung vor Bayers Konkurrenzprodukt Xarelto. Wie wichtig ist das für den Markterfolg?

Das Allerwichtigste ist erst einmal, dass es nun eine Alternative zu Standardtherapie gibt. Wir haben mit Pradaxa hier ein Grundproblem gelöst. Ob das Produkt von Bayer eine Alternative zu unserem Mittel sein wird, werden die Studiendaten zeigen. Meiner Meinung nach ist es aber gut, dass es zwei Unternehmen gibt, die sich mit dieser Frage beschäftigen, das erhöht die Chancen für die Patienten.

Sie haben Studien zu weiteren Einsatzgebieten von Pradaxa laufen?

Ja, wir werden in diesem und dem nächsten Jahr noch einige Ergebnisse präsentieren, beispielsweise zur Therapie von Patienten, die schon einmal eine Thrombose hatten und zur Vorbeugung von Herzinfarkten. Und die Ergebnisse unserer aktuellen Untersuchung bei Patienten mit Vorhofflimmern ermutigen uns, hier noch weitere Studien aufzulegen.

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