Pharmabranche: US-Pharmafirma Cephalon kauft Merckle-Tochter Mepha

Pharmabranche
US-Pharmafirma Cephalon kauft Merckle-Tochter Mepha

Cephalon schlägt bei der Merckle-Gruppe zu und erwirbt deren Tochter Mepha. Der amerikanische Arzneimittelhersteller will das Produktprogramm und die Europa-Präsenz verstärken. Und Merckle kann die Verschuldung weiter reduzieren.
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shf FRANKFURT. Der amerikanische Pharmahersteller Cephalon will den mehrheitlich zur Merckle-Gruppe gehörenden Generikahersteller Mepha für 622 Mio. Franken (umgerechnet rund 420 Mio. Euro) übernehmen. Während der Ulmer Unternehmer Ludwig Merckle damit einen weiteren Schritt zur Entschuldung seiner Firmengruppe vollzieht, will Cephalon mit dem Kauf die europäische Marktpräsenz ausbauen und zugleich das Produktprogramm verbreitern.

Mepha, an der neben Merckle noch weitere Gesellschafter beteiligt sind, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 408 Mio. Franken mit Schwerpunkt auf dem Schweizer Markt.

Die Netto-Verbindlichkeiten der Merckle-Gruppe dürften durch die Transaktion auf deutlich weniger als drei Mrd. Euro sinken. Auf Druck ihrer Gläubigerbanken muss sich die Ulmer Firmengruppe auch vom deutlich größeren Arzneimittelunternehmen Ratiopharm trennen. Der Verkaufsprozess für diesen Generikahersteller mit rund 1,6 Mrd. Euro Umsatz soll noch im ersten Quartal abgeschlossen werden, wobei als Hauptinteressenten die israelische Teva-Gruppe und der US-Pharmakonzern Pfizer gehandelt werden. Rund zwei Mrd. Euro von ursprünglich insgesamt fünf Mrd. Euro Schulden konnte Merckle im vergangenen Jahr bereits durch den Verkauf eines Löwenanteils seiner Beteiligung an Heidelberg Cement abwerfen.

Der Mepha-Verkauf deutet darauf hin, dass die Bewertungen für Generikafirmen unter Druck geraten sind. Während bei fast allen größeren Transaktionen der vergangenen Jahre deutlich mehr als das Doppelte des Umsatzes gezahlt wurde, wechselt Mepha für lediglich das 1,5-Fache der Erlöse den Besitzer.

Für die US-Firma Cephalon, die in den 80er-Jahren als Biotechunternehmen gegründet wurde, bietet der Zukauf eine Möglichkeit, die Abhängigkeit vom Hauptprodukt Provigil, einem Medikament gegen chronische Müdigkeit, zu reduzieren. Der Wirkstoff, der vielfach als Life-Style-Medikament eingesetzt wird, verliert 2012 den Patentschutz. Das Mittel trug in den ersten neun Monaten 2009 knapp die Hälfte zum Cephalon-Gesamtumsatz von 1,6 Mrd. Dollar bei. "Durch die Übernahme von Mepha wird sich unser internationales Geschäft über Nacht verändern, da wir dann globale Märkte rentabler beliefern und in zahlreichen neuen Gebieten erstmals Patienten erreichen können", sagte Firmengründer und Vorstandschef Frank Baldino. Cephalon verspricht sich besonders in Europa, Afrika und dem Nahen Osten bessere Wachstumschancen.

Mepha vermarktet über 120 Produkte. Im Verbund mit Cephalon werde die Gruppe ihre führende Stellung auf dem Schweizer Markt weiter ausbauen und könne zusätzliche Therapien anbieten, sagte Mepha-Chef Thomas Villinger.

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