Pharmageschäft stützt den Konzern
Merck wagt keine Prognose

Trotz Absatzeinbruch bei den Flüssigkristallen und Quartalsverlust sieht sich der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA wegen seines starken Pharmageschäfts für die Zukunft gut aufgestellt. Eine Prognose für das laufende Jahr wagt Merck aber nicht. Und wegen des Nachfragerückgangs in der Chemiesparte schließt das Unternehmen Kurzarbeit in Darmstadt und Gernsheim nicht mehr aus.

FRANKFURT. "Wir haben ein ausbalanciertes Geschäftsmodell", sagte Vorstandschef Karl-Ludwig Kley bei der Vorstellung der Jahreszahlen gestern in Darmstadt. Den Aktionären stellte das Unternehmen eine Erhöhung der Dividende um 25 Prozent auf 1,50 Euro in Aussicht.

Eine Prognose für das laufende Jahr wagte der Konzernchef nicht. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten seien zu groß, um seriöse Aussagen zu treffen, so Kley. Im größten Unternehmensbereich, dem Pharmageschäft, rechnet der Merck-Chef "nicht mit großen Einschlägen". Bei dem Geschäft mit den Flüssigkristallen sei dagegen nicht absehbar, wann die Absatzkrise ende. Das Geschäft mit Flüssigkristallen für Computer- und Fernsehbildschirme trug 2008 rund elf Prozent zum Umsatz aber mehr als ein Drittel zum operativen Ergebnis des Konzerns bei. 2007 hatte der Ergebnisbeitrag sogar noch bei knapp der Hälfte gelegen.

Merck hatte bereits im Dezember bekannt gegeben, die Produktion für Flüssigkristalle zu drosseln, nachdem die Nachfrage nach LCD-Panels und Flachbildschirmen eingebrochen war. Im November und Dezember hatte sich das Geschäft für Flüssigkristalle laut Kley halbiert, die Margen seien deutlich gesunken. Mit dem Abbau von Urlaub und Arbeitszeitkonten will der Konzern die Nachfrageschwäche bis Juli/August auffangen. Sollte sich die Krise fortsetzen, schließt Kley für diesen Bereich Kurzarbeit nicht aus. Betroffen sind die Standorte Darmstadt und Gernsheim, an denen rund 1000 Mitarbeiter arbeiten.

Der Einbruch bei den Flüssigkristallen und hohe Sondermaßnahmen bei Merck Serono sorgten dafür, dass der Darmstädter Konzern im vierten Quartal sogar n die roten Zahlen rutschte. Als "Albtraum" bewerteten die Analysten von Unicredit die Zahlen des vierten Quartals. Da sie aber zuversichtlich sind, dass Merck 2009 durch das Pharmageschäft Schwung bekommen wird, empfehlen die Analysten die Aktie weiterhin zum Kauf. An der Frankfurter Börse brachen Merck-Aktien in der Spitze mehr als sieben Prozent ein, notierten im Verlauf des Tages mit 62,80 Euro aber nur noch knapp im Minus. Die Sondermaßnahmen von 400 Mio. Euro, die Merck im vierten Quartal verbuchte, betreffen zu einem Großteil Abschreibungen wegen gesunkener Umsatzerwartungen für das Medikament Raptiva gegen Schuppenflechte. Hier traten bei Patienten schwere Nebenwirkungen auf. Der Sachverhalt wird von der Europäischen Arzneimittelbehörde geprüft.

Insgesamt wuchs Merck 2008 um 7,1 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro Umsatz. Das operative Ergebnis stieg um 15,9 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro. Unter dem Strich sank das Ergebnis nach Steuern um 90 Prozent auf 367,1 Mio. Euro. Der Rückgang ist aber wesentlich darauf zurückzuführen, dass Merck im Jahr zuvor netto knapp 3,5 Mrd. Euro für den Verkauf ihres Generika-Geschäftes an den US-Konzern Mylan eingenommen hatte.

Im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten (MerckSerono) wuchs Merck erneut schneller als viele internationale Konkurrenten. Dieser Geschäftsbereich legte um 12 Prozent auf knapp 5 Mrd. Euro zu. Große europäische Konzerne wie Novartisoder AstraZeneca hatten ihren Pharmaumsatz im vergangenen Jahr um fünf beziehungsweise drei Prozent gesteigert, Marktführer Pfizer schrumpfte sogar. Größte Medikamente der Merck-Gruppe sind Rebif (1,3 Mrd. Euro Umsatz) und das Krebsmittel Erbitux (565 Mio. Euro Umsatz). Von der Finanzkrise sieht sich der Konzern wegen seiner geringen Nettoverschuldung von 477 Mio. Euro nicht betroffen.

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