Pharmagroßhändler Sanacorp zu Zugeständnissen gezwungen
Bundesgerichtshof blockiert Übernahme von Anzag

Die Münchner Sanacorp AG darf weiterhin keine Mehrheit an der Frankfurter Anzag AG, dem drittgrößten deutschen Pharmahändler, übernehmen. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Damit bleibt der Versuch, einen neuen Marktführer im deutschen Pharmagroßhandel zu schaffen, vorerst blockiert. Um das Vorhaben zu retten, wird Sanacorp nach Einschätzung von Branchenkennern um Zugeständnisse gegenüber dem Kartellamt kaum herum kommen.

FRANKFURT/M. In einer überraschenden Entscheidung hat der Bundesgerichtshof gestern das Fusionskontrollverfahren um den Zusammenschluss von Anzag und Sanacorp an das OLG Düsseldorf zurückverwiesen und damit dem Bundeskartellamt zumindest einen Teilerfolg beschert. Die Bonner Behörde geht davon aus, dass Sanacorp bei einer Übernahme in mehreren Regionen eine marktbeherrschende Stellung erringen würde.

Nach der Entscheidung des BGH ist ein Abschluss des komplizierten Streitfalls vorerst nicht in Sicht. Sanacorp zeigte sich enttäuscht, will aber ungeachtet der BGH-Entscheidung nicht aufgeben. Man werde das Projekt auf jeden Fall weiterverfolgen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Auch die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung müsse geprüft werden, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens.

Die Situation für Sanacorp habe sich im Prinzip zwar nicht geändert. Allerdings werde die Konsolidierung wohl mindestens um ein weiteres Jahr verzögert, erwartet DZ-Bank-Analyst Oliver Schlueter. Die von einer Apothekergenossenschaft kontrollierte Sanacorp hält knapp ein Viertel an Anzag und zielt bereits seit langem auf eine Mehrheitsübernahme. Mitte 2001 hat das Kartellamt das Vorhaben jedoch untersagt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte diese Entscheidung vor knapp zwei Jahren zwar wieder aufgehoben. Doch legten die Wettbewerbshüter daraufhin Beschwerde beim BGH ein. Dieser hat nun die wesentlichen Argumente des OLG verworfen und den Fall zurückverwiesen. Kartellamtspräsident Ulf Böge begrüßte die Entscheidung. „Der BGH hat die Sicht des Amtes in dem entscheidenden Punkt bestätigt, dass der Verhaltensspielraum von Großunternehmen kontrollierbar bleiben muss“, sagte Böge. Branchenvertreter verweisen allerdings darauf, dass der BGH in der wichtigen Frage der Abgrenzung der regionalen Märkte weder Sanacorp noch dem Kartellamt gefolgt sei. Sie halten daher weiterhin einen Vergleich für denkbar, wie ihn auch Kartellamts-Vertreter in der BGH-Verhandlung angedeutet hatten.

Die Entscheidung über Anzag hat Einfluss auf die künftige Struktur des europäischen Pharmahandels. Denn der Frankfurter Konzern mit zuletzt rund 3,2 Mrd. Euro Umsatz gehört zu den wenigen Großunternehmen, die im Zuge der Branchenkonsolidierung noch nicht verteilt sind. Als Hauptinteressent neben Sanacorp gilt die britische Alliance Unichem, der drittgrößte Pharmahändler in Europa nach Celesio und Phoenix. Die Briten sind bisher in Deutschland nicht vertreten, haben allerdings im vergangenen Jahr ihren Anteil an Anzag bereits von rund zehn auf 30 Prozent aufgestockt. Der deutsche Pharmamarkt gilt für den britischen Konzern als strategisch wichtige Region. Dabei dürfte auch die Hoffnung auf eine weitere Liberalisierung des deutschen Apothekensektors eine wichtige Rolle spielen.

Nicht zuletzt wohl, um einem größeren Einfluss von Unichem vorzubeugen, hatten vor knapp einem Jahr bereits die Konkurrenten Phoenix und Celesio Anteile von zwölf und 13 Prozent erworben, die zuvor bei der DZ-Bank geparkt waren. Beide Unternehmen haben Sanacorp ein Vorkaufsrecht für die Anteile eingeräumt. Celesio sieht in der BGH-Entscheidung keine wesentliche Veränderung der bisherigen Situation. Es gebe daher keine Absichten, sich von der Beteiligung zu trennen.

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