Pharmagroßhandel
Alliance Boots will die Mehrheit an Anzag

Der britische Pharmagroßhändler Alliance Boots drängt seit langem auf den deutschen Markt, nun könnte er Erfolg haben: Branchenkreisen zufolge will der Konzern die Mehrheit an dem börsennotierten deutschen Konkurrenten Andreae Noris Zahn AG übernehmen.
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FRANKFURT. Damit würde das Unternehmen endlich eine maßgeblich Rolle im deutschen Großhandelsmarkt spielen, in den es in der Vergangenheit immer wieder vorzudringen versucht hat.

Konkret verhandele Alliance Boots mit den Pharmagroßhändlern Celesio und Phoenix, die jeweils ein 12,5 Prozent-Paket an der Andreae (Anzag) halten, heißt es aus Unternehmenskreisen. Zusammen mit dem eigenen Anteil von 29,99 Prozent würde Alliance Boots dann die Mehrheit an Anzag halten. Offiziell kommentierten die Firmen den Vorgang gestern nicht.

Im 25 Mrd. Euro schweren deutschen Großhandelsmarkt sind die Rollen seit Jahren fest verteilt. Die vier großen deutschen Händler Celesio/Gehe, Phoenix, Sanacorp und Noweda halten zusammen die Mehrheit an dem fünften - Anzag. Dass der britische Konkurrent Alliance Boots seinen Anteil in der Vergangenheit bereits zu einer Mehrheitsbeteiligung aufstocken konnte, hatten unter anderem Celesio und Phoenix 2003 durch ihren Einstieg bei Anzag verhindert.

Celesio bietet sein Anzag-Paket nun seit kurzem zum Verkauf an, weil es für das Unternehmen keine strategische Bedeutung mehr hat. Bereits bei einer Anteilsaufstockung über 30 Prozent müsste Alliance Boots den restlichen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Die scheinen auch nicht abgeneigt zu sein, folgt man Thomas Strieder, Bereichsleiter Finanzen bei Sanacorp: "Der Preis wird entscheidend sein", hatte er kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Und: "Wir schließen im Moment überhaupt nichts aus." Sanacorp hält 24,99 Prozent an Anzag.

Oligopolistischer Markt

Da die deutschen Konkurrenten ihre Beteiligung an dem Frankfurter Pharmagroßhändler aus kartellrechtlichen Gründen nicht aufstocken können, wurde Alliance Boots schon früh als möglicher Käufer für den Celesio-Anteil gehandelt. Alliance-Boots-Chairman Stefano Pessina ist schon lange an einem stärkeren Engagement auf dem deutschen Markt interessiert und hatte im vergangenen Jahr in einem Gespräch mit dem Handelsblatt sogar Interesse an dem Pharmahändler Phoenix signalisiert. Über dessen Verkauf wurde im Zuge der Finanzschwierigkeiten des Merckle-Imperiums spekuliert. Mittlerweile ist Phoenix aber umstrukturiert und umgeschuldet.

Alliance Boots ist mehrheitlich in Besitz des US-Finanzinvestors KKR. Mit einem Umsatz von zuletzt 18,7 Mrd. Pfund (rund 21 Mrd. Euro) und 604 Mio. Pfund Gewinn (680 Mio. Euro) gehört Alliance Boots neben Celesio und Phoenix zu den drei großen europäischen Pharmahandel- und Apothekenbetreibern. 2008 hatte Alliance Boots bereits den deutschen Spezial-Großhändler Megapharm übernommen.

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