Pharmagroßhandel: Großhandel hofft auf bessere Margen

Pharmagroßhandel
Großhandel hofft auf bessere Margen

Der Pharmagroßhandel in Deutschland spürt derzeit Rückenwind. Die geplante Reform des Arzneimittelgesetzes würde die Konkurrenz durch den Direktvertrieb von Medikamenten durch Pharmaunternehmen deutlich eindämmen und durch ein neues Vergütungsmodell auch die Margen der Händler sichern.

FRANKFURT. „Das ist bitter nötig für die Branche.“, meint Hanns-Heinrich Kehr, Geschäftsführer von Pharma-Privat, eine Einkaufs- und Marketinggenossenschaft, in der die zehn inhabergeführten Pharmagroßhandlungen Deutschlands zusammengeschlossen sind.

Der Direktvertrieb und ein harter Preiskampf der Pharmagroßhändler untereinander hatten die Margen der Branche im vergangenen Jahr nahe der Nulllinie gebracht und die Konsolidierung in dem ohnehin oligopolistisch strukturierten Markt noch einmal voran getrieben. So erwarb die Noweda-Gruppe zur Jahresmitte 2008 den Pharmagroßhändler Kapferer und der nordrhein-westfälische Platzhirsch von der Linde verkaufte kurz von Weihnachten seine Pharmagroßhandlung an die Sanacorp-Gruppe, die damit zum zweitgrößten Player hinter der zum Merckle-Imperium gehörenden Phoenix-Gruppe aufsteigen dürfte. Für von der Linde ging es bei dem Verkauf um eine langfristige Perspektive seines Unternehmens, wie er dem Handelsblatt sagte. Sanacorp wiederum kann mit von der Linde das gesamte Bundesgebiet abdecken.

Nun stehen sich fünf große Anbieter und die acht Prozent Anteil haltenden Gemeinschaft von Pharma Privat im Markt gegenüber, und warten gespannt, wie sich die Zukunft des Marktführers Phoenix entwickelt. Der war durch die Finanzschwierigkeiten der Merckle-Gruppe ebenfalls in Schieflage geraten. Möglich ist, dass Phoenix im Zuge der Sanierung des Familienimperiums noch verkauft werden muss, auch wenn der gewährte Überbrückungskredit der Banken zuallererst durch einen Verkauf des zur Merckle-Gruppe gehörenden Generikaherstellers Ratiopharm abgelöst werden soll. Die europaweit agierende rund 22 Mrd. Euro schwere Phoenix-Gruppe kann jedenfalls allein schon aus kartellrechtlichen Gründen nicht als Ganzes an einen europäischen Konkurrenten wie etwa Alliance Boots verkauft werden. Teilverkäufe wären allerdings denkbar.

„Auf jeden Fall ist Phoenix angesichts der ungewissen Zukunft in der derzeitigen Situation geschwächt, meint Equinet-Analyst Martin Possienke. „Das gibt den anderen Marktteilnehmer die Chance, Marktanteile zu gewinnen“, sagt er. Der Analyst erartet für das kommende Jahr insgesamt deutlich bessere Margen bei den Anbietern der Branche, darauf deuten auch Einschätzungen aus den Unternehmen des Pharmagroßhandels hin. Der Druck im Rabattkessel ist seit Herbst deutlich gesunken, hatte bereits im November Anzag-Chef Thomas Trümper angedeutet. Trümper, zugleich Chef des Branchenverbandes Phagro, erwartet für das laufende Jahr eine deutlich bessere Ertragslage.

Und noch etwas spielt der Branche insgesamt in die Hände: Apothekenketten in Supermärkten wird es in Deutschland in Zukunft wohl nicht geben. Das lässt zumindest des Plädoyer des EuGH-Anwalts Yves Bot erwarten, dem der Gerichtshof im Frühjahr dieses Jahres voraussichtlich folgen wird. Auch wenn sich der zur Haniel-Gruppe gehörende Pharmahändler Celesio mit Doc Morris für diese Zeiten bereits in Position gebracht hatte, den übrigen Marktteilnehmern bleibt neue Konkurrenz erspart.

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