Pharmahändler
Celesio strebt Partnerschaft mit US-Konkurrenten an

Das Stuttgarter Pharmaunternehmen drängt auf den amerikanischen Markt. Für US-Unternehmen wird die Partnerschaft durch Obamas Gesundheitsreform interessant. Es wäre nicht Celesios erste transatlantische Partnerschaft.
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FrankfurtDer Pharmahändler Celesio spricht Kreisen zufolge mit den US-Konkurrenten McKesson und Cardinal Health über eine umfassende Partnerschaft. Die beiden US-Pharmahändler hätten dabei auch Interesse angemeldet, sich an dem Stuttgarter Konzern zu beteiligen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. „Mit einem der beiden sind die Gespräche bereits intensiver, sagte einer der Brancheninsider. Celesio-Chef Markus Pinger habe die Citibank beauftragt, den Markt zu sondieren und die Gespräche zu begleiten. Der Celesio-Eigentümer Haniel sei informiert. Der Duisburger Mischkonzern hatte seine Beteiligung an Celesio im November reduziert und hält nun noch 50,01 Prozent der Celesio-Anteile. Der Rest ist breit gestreut, kleinere Pakete liegen bei Finanzinvestoren. Die Celesio-Papiere legten nach der Nachricht rund vier Prozent zu.

Celesio, Haniel und die Citibank lehnten eine Stellungnahme ab. Bei Haniel hatte es erst vor rund zwei Wochen geheißen, Celesio sei ein Ankerinvestment der Gruppe. Damals waren Spekulationen um einen Verkauf von Celesio an die amerikanische Drogeriekette CVS Caremark aufgekommen. Nach früheren Angaben aus Kreisen gab es mit der US-Pharmakette Sondierungen über eine Einkaufspartnerschaft. Die aktuellen Gespräche mit den US-Pharmahändlern seien aber breiter angelegt und zielten auf eine umfassende Partnerschaft unter Einschluss einer Beteiligung ab, sagte einer der Insider. Von den US-Konzernen war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Der ehemalige Beiersdorf -Manager Pinger hatte 2011 das Ruder bei Celesio übernommen. Er richtete die Stuttgarter wieder auf ihr angestammtes Kerngeschäft Pharmahandel und Apotheken aus. Firmen wie die Internet-Apotheke DocMorris, mit denen sein Vorgänger in neue Geschäftsfelder vorstoßen wollte, verkaufte Pinger wieder - zum Teil mit hohen Verlusten. Nach dem Umbau wolle Pinger nun die Internationalisierung von Celesio vorantreiben, sagte einer der Insider. Die Gespräche über eine Allianz mit den US-Konzernen seien Teil dieser Strategie. Celesio bekomme seit längerem Avancen aus den USA - im Zuge der Neuausrichtung hätten diese aber merklich zugenommen, sagte der zweite Insider.

Das Interesse der Amerikaner ist auch vor dem Hintergrund steigenden Kostendrucks im US-Pharmagroßhandel zu sehen, der durch die von Präsident Barack Obama forcierte Gesundheitsreform zugenommen hat. Partnerschaften und die Erschließung neuer Märkte sind für die US-Konzerne eine Möglichkeit, durch Größe mehr Preismacht zu gewinnen. Für Aufsehen hatte in diesem Zusammenhang vor wenigen Monaten AmerisourceBergen gesorgt. Der Pharmahändler hatte eine auf zehn Jahre angelegte Partnerschaft mit den zwei Pharmazieketten Walgreen und Alliance Boots geschlossen, die den beiden auch eine Beteiligung von bis zu 23 Prozent an AmerisourceBergen erlaubt. Das hatte die Rivalen unter Zugzwang gesetzt.

Celesio hatte 2009 mit seinen Geschäften erstmals den Atlantik überquert und die Mehrheit am brasilianischen Pharmahändler Panpharma erworben. Inzwischen gehört Panpharma Celesio ganz, und mit der Übernahme der Mehrheit an der Firma Oncoprod baute der der Konzern sein Engagement in dem südamerikanischen Land aus. Klappt eine Partnerschaft mit einem der großen US-Pharmahändler, wäre das ein noch größerer Schritt für Celesio: McKesson und Cardinal Health kontrollieren zusammen mit AmerisourceBergen rund 95 Prozent des US-Markts.

Ganz neu ist eine Zusammenarbeit mit US-Konzernen für Celesio aber nicht: Pingers Vorgänger an der Celesio-Spitze hatte seinerzeit mit der damaligen Medco Health - heute Teil des US-Dienstleisters Express Scripts - eine Kooperation auf dem Gebiet des Therapie-Managements von Patienten aus der Taufe gehoben. Das Projekt wurde 2011 nach nur einem Jahr eingestellt, weil Krankenkassen dafür nicht gewonnen werden konnten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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