Pharmahändler verkauft
Haniel streicht zwei Milliarden Euro für Celesio ein

Der Familienkonzern Haniel stößt eine große Beteiligung ab. Der US-Pharmahändler McKesson kauft den deutschen Konkurrenten Celesio für 6,1 Milliarden Euro. Haniel hat schon etwas vor mit dem eigenen Anteil der Summe.
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StuttgartUS-Amerikaner mischen mit einer Milliardenübernahme den deutschen Arzneimittel-Handel auf. Der Apotheken-Zulieferer McKesson kauft für mehr als sechs Milliarden Euro den Stuttgarter Wettbewerber Celesio und wird so zum unangefochtenen Weltmarktführer. Zusammen können die Konzerne beim Einkauf Geld sparen und damit im harten Wettbewerb um die Gunst der Apotheken besser bestehen. Sie kommen auf einen Jahresumsatz von 111 Milliarden Euro und 81.500 Beschäftigte weltweit. Mit dem Duisburger Familienunternehmen Haniel, das gut 50 Prozent an Celesio hält, ist sich das US-Unternehmen bereits einig. Dem Mischkonzern und Metro -Aktionär winken rund zwei Milliarden Euro. Damit will sich Haniel entschulden und anschließend mit kleineren Zukäufen breiter aufstellen, um die Abhängigkeit vom Handel zu lösen.

Die Amerikaner bieten allen Celesio-Aktionären 23 Euro je Aktie in bar, wie die Unternehmen am Donnerstag mitteilten. Das entspricht einem Kaufpreis von rund vier Milliarden Euro, die restlichen zwei Milliarden Euro sind übernommene Schulden. Der Vorstand des Pharmahändlers, der mit einem Marktanteil von rund 16 Prozent zu den fünf größten Wettbewerbern in Deutschland zählt, sprach sich für die Übernahme aus. Die im Nebenwerte-Index MDax gelistete Aktie zog um 5,3 Prozent auf 22,87 Euro an. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits am Mittwoch von der bevorstehenden Übernahme - der drittgrößten in Deutschland in diesem Jahr - berichtet, was den Aktienkurs beflügelt hatte. Das Angebot liegt 39 Prozent über dem durchschnittlichen Kurs der drei Monate vor Aufkommen der ersten Kaufspekulationen.

"Das gemeinsame Unternehmen wird zu einem der weltweit größten Pharmagroßhändler und Anbieter von Logistik,- und Serviceleistungen im Gesundheitssektor", erklärte McKesson-Chef John Hammergren. Der neue Konzern wird in mehr als 20 Ländern tätig sein. Zusammen beliefern McKesson und Celesio künftig in den USA, in Kanada, in Europa und Brasilien täglich rund 120.000 Apotheken und Krankenhäuser. Darunter sind auch 11.000 Apotheken, die ihnen entweder selbst gehören oder mit denen es Partnerschaften gibt. McKesson ist momentan nur in wenigen kleineren europäischen Ländern aktiv. Experten rechnen daher auch nicht mit Kartellproblemen.

In den USA ist McKesson bereits der Branchenprimus. Mit Celesio will das Unternehmen aus San Francisco nun den europäischen Pharmagroßhandel aufrollen. In einem hart umkämpften Markt, der stark reguliert ist und nur schmale Renditen bereit hält, kann McKesson künftig als Branchengigant vor allem beim Einkauf sparen. Zudem gewinnt McKesson an Preismacht bei Verhandlungen mit der Pharmaindustrie um Lieferverträge. Der US-Konzern verspricht sich von dem Zukauf Einsparungen von bis zu 325 Millionen Dollar pro Jahr.

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McKesson reagiert auf vorpreschende Konkurrenz

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  • Ein äußert interessantes Buch zu diesem Thema ist gerade unter folgendem Titel erschienen:

    „Das Schleppnetz“, ISBN 978-3-00-042795-4

  • Fünfzehn Jahre Mißmanagement rächen sich halt irgendwann ...

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