Pharmahandel
Celesio kauft außerhalb Europas zu

Celesio wird größter Pharmagroßhändler Brasiliens: Mit der Übernahme des Marktführers Panpharma strebt das Unternehmen erstmals über die Grenzen Europas hinaus. Experten erwarten, dass sich die Übernahme bereits im ersten Jahr positiv auf den Gewinn von Celesio auswirken wird. Der Konzern will sein Portfolio bis 2015 deutlich verändern.

FRANKFURT. Der Pharmagroßhändler Celesio strebt erstmals über die Grenzen Europas hinaus: Wie der Stuttgarter Konzern gestern bekanntgab, will Celesio den brasilianischen Anbieter Panpharma übernehmen. Das Unternehmen ist mit einem Marktanteil von 17 Prozent der größte brasilianische Pharmagroßhändler und hat zuletzt umgerechnet rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Analysten schätzen den Wert Panpharmas auf 200 bis 250 Mio. Euro.

„Strategisch macht der Deal für Celesio Sinn“, urteilte Analyst Volker Braun von der Commerzbank. Brasilien gehört derzeit zu den weltweit am schnellsten wachsenden Pharmamärkten. Das bietet Wachstumsperspektiven für den Celesio-Konzern, der zuletzt im europäischen Geschäft einige Rückschläge hinnehmen musste. In Großbritannien, das bislang knapp die Hälfte zum Gewinn des Unternehmens beitrug, wurde etwa die Kostenerstattung für Medikamente drastisch gesenkt. Zudem belastete der niedrige Pfundkurs den Gewinn der Stuttgarter, die im vergangenen Geschäftsjahr erstmals seit mehr als 20 Jahren rote Zahlen schrieben.

Auch vom Gesetzgeber gab es Gegenwind: Celesios Plan, mit der 2007 gekauften Apothekenmarke Doc Morris als Filial-Kette in Deutschland expandieren zu können, wurde im März vom Europäischen Gerichtshof zunichte gemacht. Die Richter bestätigten die in Deutschland geltende Praxis, dass nur approbierte Apotheker und keine Kapitalgesellschaften Apotheken besitzen dürfen.

Eine weitere Hiobsbotschaft kam erst vor wenigen Tagen: In Deutschland wurde wegen eines Koalitionsstreits in letzter Sekunden das neue Entlohnungssystem für den Pharmagroßhandel gekippt. Dieses hätte Anbietern wie Celesio, Phoenix und Anzag sicherere Margen versprochen.

„Der Expansion von Celesio in Europa sind Grenzen gesetzt. Insofern passt es, wenn sich das Unternehmen neue Regionen sucht“, kommentierte Martin Possienke, Analyst bei Equinet, den Einstieg bei Panpharma. Im europäischen Großhandelsgeschäft gehört Celesio neben Phoenix, Mannheim, und der britischen Alliance Boots zu den großen Playern. Zukäufe in Europa werden schon aus kartellrechtlichen Gründen schwieriger.

Celesio-Chef Fritz Oesterle hatte im März angekündigt, den Konzern geografisch und mit neuen Geschäften erweitern zu wollen. Das mehrheitlich zur Haniel-Gruppe gehörende Unternehmen soll 2015 ein verändertes Risikoprofil haben. Zudem soll es weniger vom britischen Pfund und von Märkten mit staatlich regulierter Vergütung abhängig sein.

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