Pharmaindustrie
Analyse: Nur ein kleiner Lichtblick für Merck & Co

Merck & Co bieten ein Schulbeispiel dafür, dass auch in der pharmazeutischen Industrie Glanz und Elend zuweilen nahe beieinander liegen.

DÜSSELDORF. Noch zu Beginn dieses Jahrzehnts galt der US-Konzern als eine Art Musterknabe, den viele Konkurrenten um seine Innovationskraft, seine Marketingfähigkeiten und sein unerschütterliches Wachstum beneideten.

Doch dann wendete sich das Blatt: Innerhalb von zwei Jahren scheiterten Mercks viel gerühmte Forscher mit vier wichtigen Neuentwicklungen kurz vor der Zielgeraden, während etablierte Umsatzträger unter Konkurrenzdruck gerieten. Ausgerechnet in dieser Phase musste der einstige Branchenprimus 2004 dann den härtesten Schlag einstecken und sein Schmerzmittel Vioxx vom Markt nehmen.

Die Folgen sind bekannt: herbe Umsatzeinbußen und eine Flut von Schadenersatzklagen. Und das Urteil einer Jury in Texas, die den Konzern vor wenigen Monaten für einen einzigen Todesfall zu einer Viertelmilliarde Dollar Schadenersatz verdonnerte, schien zu bestätigen, dass Vioxx das Infarktrisiko nicht nur bei Patienten erhöht hat, sondern auch bei Merck & Co. selbst.

Nach dieser Serie von Niederlagen bescherte der Freispruch im zweiten Vioxx-Verfahren dem Pharmakonzern und seinen Aktionären vor wenigen Tagen einen ersten kleinen Lichtblick. Immerhin spricht das Urteil dafür, dass das Management mit seiner rigiden Verteidigungsstrategie nicht völlig auf verlorenem Posten steht. Es deutet sich eine Chance an, wenigstens einen Teil der Kläger abzuschrecken und die Belastungen aus den Vioxx-Klagen – vorerst – in Grenzen zu halten.

Zum Aufatmen ist es freilich viel zu früh. Der Abwehrkampf an der juristischen Front wird sich noch über viele Jahre hinziehen. Schon die nächsten Verfahren dürften wieder deutlich schwieriger werden für Merck. Denn die zuständige Richterin will nun bevorzugt solche Fälle verhandeln, bei denen Vioxx langfristig im Einsatz war und damit leichter für Schäden verantwortlich gemacht werden kann.

Zudem bietet der jüngste Erfolg keinerlei Hilfe gegen Schwächen im operativen Geschäft. Nach dem Ausfall von Vioxx kämpft Merck bereits mit sinkenden Erlösen. Noch größere Einbußen stehen im kommenden Jahr bevor, wenn das Cholesterin-Medikament Zocor und möglicherweise auch das Osteoporose-Mittel Fosamax den Patentschutz verlieren. Mehr als ein Drittel des Umsatzes ist damit gefährdet.

Die eigene Forschung bietet derzeit wenig Ersatz. Ein weiterer Hoffnungsträger scheiterte vor wenigen Wochen im Zulassungsverfahren. Die vielen Biotech-Allianzen, die Merck in den letzten Jahren besiegelte, werden frühestens gegen Ende des Jahrzehnts Früchte zeigen. Um seine Produkt-Pipeline wieder instand zu setzen, wird der Konzern also noch ebenso viel Geduld wie Geld brauchen. Die Künste der Juristen können dazu wenig beitragen. Eher sind da schon die Spezialisten aus der Abteilung Fusionen und Übernahmen gefragt.

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