Pharmaindustrie
Eine Industrie in der Defensive

Die internationale Pharmaindustrie blickt auf ein nicht leichtes Jahr 2007 zurück. Trotz aller Schwierigkeiten ist die Branche dennoch erneut gewachsen, doch der Erfolg ist mehr denn je an das Produktportfolio gekoppelt: Arzneimittelhersteller sind auf der Suche nach Rezepten für Vertrieb und Forschung.

FRANKFURT. Die führenden Pharmakonzerne haben auf Dollarbasis ein Umsatzwachstum von durchschnittlich rund neun Prozent ausgewiesen. Rechnet man Währungseffekte und Akquisitionen heraus, ergibt sich für diese Gruppe ein organisches Umsatzwachstum von schätzungsweise vier Prozent. Das ist weniger, als es Marktforscher wie IMS Health für den Gesamtmarkt bisher vorausgesagt hatten: sechs bis sieben Prozent. 2008 dürfte sich die Dynamik weiter abschwächen.

Welche Folgen resultieren daraus für die Ertragsentwicklung?

Mit operativen Umsatz- und Kapitalrenditen von mehr als 25 Prozent gehört die Pharmabranche nach wie vor zu den rentabelsten Industrien überhaupt. Da es vielfach an Umsatzwachstum fehlt, sind die Konzerne allerdings stärker auf Sparprogramme angewiesen, um ihre Ertragskraft zu halten oder zu verbessern. In den vergangenen beiden Jahren haben fast alle Unternehmen solche Initiativen gestartet. Vor allem in Vertrieb, Verwaltung und Produktion bremsen sie, was offenbar die operativen Erträge stützt. Für 2007 haben die führenden 15 Unternehmen der Branche in der Summe einen stagnierenden Betriebsgewinn von etwa 112 Mrd. Dollar ausgewiesen. Für 2008 deutet die Mehrzahl der Prognosen auf moderat steigende Erträge (siehe Tabelle).

Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer?

Wie schon in den Vorjahren steht und fällt der Erfolg mit dem Produktportfolio. Patentabläufe von wichtigen Medikamenten und die wachsende Generikakonkurrenz verursachten 2007 unter anderem bei den beiden Marktführern Pfizer und Glaxo-Smithkline sowie bei der Schweizer Novartis Einbußen, während auf der anderen Seite Konzerne wie Roche, Lilly und Abbott ihre Position ausbauen konnten. 2008 wird sich das Bild weiter verändern. So dürfte sich auch bei Roche (nach dem Ende des Booms beim Grippemittel Tamiflu) und bei Wyeth (Patentabläufe) das Wachstum verlangsamen.

Wie groß ist die Bedrohung durch Generikakonkurrenz insgesamt?

Branchenfachleute schätzen, dass derzeit pro Jahr Originalmedikamente mit etwa 20 bis 25 Mrd. Dollar Umsatz ihren Patentschutz verlieren. Das entspricht zwar nur rund drei Prozent des Weltmarktes. Bei den jeweils betroffenen Herstellern stehen jedoch deutlich höhere Umsatzanteile auf dem Spiel. Generikafirmen agieren zusehends aggressiver in der Anfechtung von Patenten. Sie haben zudem den Preiswettbewerb bei vielen kleineren Altprodukten verschärft, die den Originalherstellern bisher noch solide Ergebnisbeiträge lieferten.

Welche Rolle spielt die Diskussion um die Sicherheit?

Sie stellt die Branche in mehrfacher Hinsicht vor erhebliche Herausforderungen. Mit den Anämie-Medikamenten Aranesp, Epogen und Eprex (von Amgen und Johnson & Johnson) sowie dem Diabetesmittel Avandia (GSK) sind 2007 gleich mehrere patentgeschützte Wirkstoffe unter Druck geraten, weil neue Studien Zweifel an ihrer Sicherheit und Wirksamkeit provozierten. Gleichzeitig stellen die Zulassungsbehörden wesentlich höhere Anforderungen an neue Wirkstoffe. Das senkt die Erfolgsquoten in der Zulassung, zwingt zu immer größeren klinischen Studien und erhöht damit die Entwicklungskosten.

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