Pharmaindustrie
Pfizer und Biocon beenden Kooperation

Nach nur einem Jahr beenden der Pharmakonzern Pfizer und die indische Biotech-Firma Biocon ihre Zusammenarbeit bei dem Vertrieb von Insulin. Für Biocon ist das ein schwerer Rückschlag, die Aktien stürzten um 6 Prozent.
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MumbaiDer US-Pharmariese Pfizer und die größte indische Biotech-Firma Biocon gehen überraschend wieder getrennte Wege. Nach nur gut einem Jahr beendeten die beiden Unternehmen „einvernehmlich“ und mit sofortiger Wirkung ihre Partnerschaft beim Vertrieb von Insulin-Produkten. Pfizer begründete den Schritt am Dienstag damit, dass der Konzern andere Prioritäten in seiner Biogenerika-Strategie habe. Biogenerika sind günstigere Nachahmer von teuren Biotech-Arzneien. Biocon hatte im Oktober 2010 die weltweiten Vermarktungsrechte für solche Insulin-Produkte an Pfizer vergeben und sich von der Allianz Millionen-Einnahmen erhofft. Nun steht das Unternehmen ohne Marketing-Partner da. Biocon-Aktien reagierten darauf mit Einbußen von mehr als sechs Prozent. Pfizer-Aktien legten an der US-Börse dagegen 1,9 Prozent auf 21,95 Dollar zu.

Die Unternehmen seien übereingekommen, dass es im besten Interesse für beide sei, im Insulin-Geschäft unabhängig voneinander fortzufahren, erklärten sie. Pfizer werde sich nun auf andere Bereiche im wachsenden Markt für Biogenerika konzentrieren, sagte eine Sprecherin des US-Konzerns. So entwickle Pfizer biotechnologische Nachahmer von Krebsmedikamenten, von Schmerzmitteln und von Arzneien zur Behandlung seltener Krankheiten. Aber bislang werde noch keine Substanz am Menschen getestet. Für biologische Insulin-Generika würden weiterhin Optionen geprüft.

Nach Einschätzung von Analysten zeigt der Schritt, dass Pfizer seinen Fokus weiter einenge. So prüft Pfizer beispielsweise zurzeit die Abspaltung oder den Verkauf seiner Tiermedizinsparte. „Sie stellen fest, dass sie nicht alles machen können“, sagte Jon LeCroy, Analyst bei MKM Partners. Pfizer sei keine Diabetes-Firma. Derzeit wird der Weltmarkt für Insulin-Arzneien von den drei Konzernen Novo Nordisk aus Dänemark, Sanofi aus Frankreich und Eli Lilly aus den USA dominiert.

Experten werten die frühe Trennung vor allem für Biocon als schweren Schlag. „Die Entwicklung ist definitiv negativ für die Insulin-Umsätze von Biocon, da sie sich nun einen neuen Partner suchen müssen“, sagte Bino Pathiparampil, Analyst beim Brokerhaus IIFL in Mumbai.

Auch bei Bayer hatte es auf dem indischen Markt zuletzt Probleme gegeben. Der deutsche Pharmakonzern wurde zu Wochenbeginn in einem wegweisenden Urteil in Indien dazu gezwungen, einem heimischen Unternehmen eine Lizenz für ein Krebsmedikament zu erteilen. Das aufstrebende Schwellenland gilt für viele Konzerne als interessanter Wachstumsmarkt. Die Entwicklung dürfte aber die Sorgen vieler Unternehmen über Fragen rund um den Patentschutz verstärken.>

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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