Pharmaindustrie

China-Übernahme wird für Biotest zum Problem

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Scheitert die Übernahme, wachsen die Probleme

Formal läuft der knapp eine Milliarde Euro schwere Deal mit Biotest durch Tiacheng Pharmaceuticals, die indirekt von der Creat-Gruppe kontrolliert wird. Creat will mit Biotest einen führenden Anbieter für Medikamente auf der Basis von Blutplasma formen. Im vergangenen Jahr erwarb die Gruppe, die maßgeblich am größten chinesischen Blutplasmaprodukte-Hersteller Shanghai Raas beteiligt ist, den britischen Plasmaproduktehersteller Bio Products Laboratory für umgerechnet etwa eine Milliarde Euro.
Das Biotest-Management spricht sich weiterhin für eine Übernahme durch die Chinesen aus, weil sie dem Unternehmen neue Expansionschancen ermöglicht. Auch die Mehrheit der Aktionäre ist dafür: In Juni waren Tiacheng 77 Prozent der Aktien, darunter auch die der Gründerfamilie Schleussner angedient worden.
Scheitert die Übernahme, könnte Biotest zwar weiter existieren und seine Geschäft betreiben, müsste aber deutlich kleiner denken. Die Entwicklung neuer Produkte beispielsweise könnte nicht so ausgeweitet werden wie mit einem potenten Investor im Hintergrund.

Die Gewinnbringer der Pharmabranche
Platz 10: Prevenar
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Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

Platz 9: Lantus
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Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Platz 8: Herceptin
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Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

Platz 7: Avastin
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Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

Platz 6: Revlimid
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Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

Platz 5: MabThera/Rituxan
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Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

Platz 4: Remicade
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Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

Auch ein Verkauf der 22 US-Plasma-Sammelstellen wäre grundsätzlich eine Option für Biotest, um die Übernahme doch noch zu ermöglichen. Allerdings wären in diesem Fall die Wachstumspläne des Unternehmens stark betroffen. Denn die neue Produktionsanlage, die Biotest in Dreieich gerade baut, soll mit der entsprechenden US-Zulassung künftig vor allem Blutplasma aus den USA verarbeiten. Der Aktienkurs von Biotest, der mit Bekanntwerden der Sicherheitsbedenken von CFIUS Anfang des Monats bereits zweistellig eingebrochen war, verlor am Dienstag bis zum Nachmittag noch einmal mehr als ein Prozent auf rund 19,4 Euro.

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