Pharmakonzern
Glaxo gibt Beteiligung an Bestechungsskandal in China zu

Vier chinesische Spitzenmanager des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline sind verhaftet, da sie sich an einem Bestechungsskandal beteiligten. Sie haben Ärzte geschmiert, um Medikamentenpreise hochzutreiben.
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London/ShanghaiIm Bestechungsskandal in der chinesischen Pharmabranche hat der britische Konzern GlaxoSmithKline (GSK) eine Beteiligung seiner Spitzenmanager eingeräumt. "Führungskräfte von GSK China, die unser System gut kennen, scheinen sich außerhalb unserer Prozesse und Kontrollen bewegt und chinesisches Recht gebrochen zu haben", erklärte der für die Schwellenländer zuständige Manager Abbas Hussain. Er war vergangene Woche nach China entsandt worden, um die Vorwürfe schnell aufzuklären. GSK soll mit Hilfe von Reisebüros und Beratungsfirmen im gewaltigen Umfang Ärzte und Behördenvertreter geschmiert haben, um den Umsatz anzukurbeln und Medikamentenpreise hochzutreiben. Vier chinesische Spitzenmanager des Konzerns wurden verhaftet.

Und der Skandal zieht immer weitere Kreise. Besuch von der Polizei bekam am Freitag auch das Shanghaier Büro des britischen Konkurrenten AstraZeneca, wie eine Sprecherin am Montag sagte. Ein Mitarbeiter sei zur Befragung mitgenommen worden. Vergangene Woche waren zudem Vertreter des chinesischen Wirtschaftsministeriums beim belgischen Medikamenten-Hersteller UCB vorstellig geworden. Ein UCB-Sprecher hatte gesagt, der Besuch sei im Rahmen einer umfangreicheren Untersuchung der Behörden erfolgt, in die auch andere Pharmafirmen eingeschlossen seien. Namen nannte er nicht.

GSK-Manager Hussain machte deutlich, dass der Konzern keine Toleranz für Mitarbeiter habe, die Gesetz brächen. Bei einem Treffen mit dem Sicherheitsministerium habe er eine Änderung des Geschäftsmodells angekündigt, um die Medikamentenpreise zu senken. Damit solle gewährleistet werden, dass die Medikamente von GSK für mehr Chinesen erschwinglich seien. Wie hoch die Nachlässe sein werden, sagte der Manager jedoch nicht. GSK-Chef Andrew Witty will mit der Sache vertrauten Personen zufolge am Mittwoch über Konsequenzen aus dem Skandal berichten, wenn der Konzern seine Quartalszahlen veröffentlicht.

Laut Gao Feng, der im chinesischen Sicherheitsministerium für die Ermittlungen bei Wirtschaftsdelikten verantwortlich ist, hat GSK an Reisebüros und Beratungsfirmen seit 2007 umgerechnet 375 Millionen Euro überwiesen, um Schmiergeldzahlungen zu erleichtern. Unklar ist noch, wie viel der Summe an Mediziner und Beamte weiterfloss und wie dies konkret funktionierte.

Ein GSK-Manager sagte dem chinesischen Fernsehen, über Reiseagenturen seien Konferenzen gebucht worden, die zum Teil nicht stattgefunden hätten, das Geld sei dann für Bestechungen genutzt worden. Gao hatte gesagt, die Polizei habe bei ihren Untersuchungen zu GSK ähnliche Geldüberweisungen anderer Medikamenten-Hersteller aufgedeckt. Namen wurden aber auch hier nicht genannt. Im Visier der Ermittler sollen auch andere ausländische Branchengrößen wie Merck aus den USA und Astellas aus Japan sein.

Laut chinesischen Branchenvertretern will das Land mit den Untersuchungen erreichen, dass die Preise importierter Medikamente gesenkt werden, um die heimischen Unternehmen zu schützen. Nicht nur Pharma-Hersteller waren in der Vergangenheit unter Druck geraten. So haben die Lebensmittel-Hersteller Nestle und Danone angekündigt, die Preise für Säuglingsmilch zu senken, nachdem Peking eine Untersuchung der Branche begonnen hatte. "Wenn in China die Regierung Leute kritisiert, tendieren diese dazu, sich zu beugen und sich ziemlich schnell zu entschuldigen, weil sie Angst haben, dass die Autorität der staatlichen Regierung ihrem Geschäft enormen Schaden zufügen könnte - ob durch die schnelle Verhaftung von Managern oder durch Prüfungen", sagte Shaun Rein, Direktor der China Market Research Group.

China und andere Schwellenländer werden für die Branche immer wichtiger, weil auf den Heimatmärkten zahlreiche wichtige Patente auslaufen. Analysten erwarten nicht, dass Preissenkungen die Geschäfte der Konzerne in der Volksrepublik schwer beschädigen würden, denn dafür seien deren Medikamente noch zu wichtig.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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