Pharmakonzern

Glaxo stampft Jahresziel ein

Konsequenzen aus schwachen Quartalszahlen: Der Pharmakonzern Glaxo-Smithkline muss notgedrungen sein Jahresziel nach unten korrigieren. Grund für das schwache Quartal sind schlechte Geschäfte in Japan und den USA.
Update: 23.07.2014 - 15:48 Uhr Kommentieren
Die Zentrale des Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline: Der Pharmariese befindet sich in einer ökonomischen Sackgasse. Quelle: Reuters

Die Zentrale des Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline: Der Pharmariese befindet sich in einer ökonomischen Sackgasse.

(Foto: Reuters)

LondonSchwächere Geschäfte in den USA und der starke Wechselkurs des britischen Pfund nagen an den Gewinnen des Pharmariesen Glaxo-Smithkline (GSK). Nach einem unerwartet deutlichen Umsatzrückgang im abgelaufenen Vierteljahr schraubte Großbritanniens Branchenprimus sein Ergebnisziel zurück. Vor allem das wichtige Geschäft mit Medikamenten gegen Lungenkrankheiten in den Vereinigten Staaten steht unter Druck.

Die GSK-Aktie büßte an der Londoner Börse zeitweise mehr als vier Prozent ein. „Die Zahlen für das zweite Quartal sind eine gehörige Enttäuschung“, urteilten die Analysten der Berenberg Bank.

Im abgelaufenen Vierteljahr setzte der Konzern 5,56 Milliarden Pfund um - 13 Prozent weniger als vor einem Jahr und weniger als von Analysten erwartet. Im Kerngeschäft schrumpfte der operative Gewinn um ein Viertel auf 1,41 Milliarden Pfund. GSK ist aktuell noch in großem Maße von seinem Atemwegspräparat Advair abhängig, das rund ein Fünftel der Erlöse ausmacht. In Europa steht es bereits im Wettbewerb mit günstigeren Generika, auch in den USA dürfte es in den nächsten Jahren dazu kommen. GSK-Chef Andrew Witty setzt zwar auf Nachfolger wie die Präparate Breo und Anoro. Aber bislang ziehen die Umsätze mit den zwei Mitteln nur langsam an.

Witty erwartet inzwischen im Kerngeschäft nur noch einen Gewinn in etwa auf Vorjahresniveau. Bislang hatte er eine Steigerung von vier bis acht Prozent in Aussicht gestellt.

Der Konzernchef ist dabei, GSK neu aufzustellen, um für mehr Wachstum zu sorgen. So stehen unter anderem ältere Medikamente, deren Patentschutz abgelaufen sind, auf der Verkaufsliste. Zwar ist bei GSK die Zeit der ganz großen Patentabläufe erst einmal vorbei. Aber der Wettbewerb mit Generika-Firmen bleibt hart. So wurde im April in den USA früher als erwartet eine Nachahmerversion des Herzmittels Lovaza auf den Markt gebracht.

Wer die Pharmawelt beherrscht
SIDNEY
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Aufsteiger 1: Valeant (Kanada)

Der kanadische Pharmariese wächst und wächst – hauptsächlich durch Zukäufe. Im Jahr 2013 kaufte Valeant den Kontaktlinsenhersteller Bausch & Lomb aus den USA für 8,7 Milliarden Dollar. Im Bereich Augengesundheit wollen die Kanadier ganz vorne mitmischen. Beim Umsatz hat es der Konzern zumindest schon einmal in die Top 30 der Welt geschafft. Die Pharma-Erlöse stiegen um 62,4 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar.

Quellen: Unternehmen, HB-Schätzungen

BIOGEN IDEC
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Aufsteiger 2: Biogen Idec (USA)

Erst Ende März 2013 wurde das Multiple-Sklerose-Mittel Tecfidera in den USA zugelassen. Doch die Tablette ist eine Goldgrube für das aufstrebende US-Biotech-Unternehmen Biogen Idec. Im Jahr 2013 steigerte es dank Tecfidera den Umsatz um gut ein Viertel auf 6,9 Milliarden Dollar.

huGO-BildID: 20842319 Actavis, Kapseln
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Aufsteiger 3: Actavis (Irland/USA)

Das Unternehmen ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Nachahmerpräparaten. Doch allzu großes Wachstum verspricht dieses Geschäftsfeld nicht unbedingt, da der Preisverfall oft das Mengenwachstum aufzehrt. Actavis wächst daher vor allem mit Übernahmen: In den vergangenen drei Jahren steckte der Konzern mehr als 14 Milliarden Dollar in Zukäufe. Der Konkurrent Forest Laboratories soll nun für 25 Milliarden Dollar ebenfalls geschluckt werden. Im Jahr 2013 legte der Umsatz um 46,7 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar zu.

Merck Darmstadt
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Deutsche Unternehmen: Merck

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern wächst im Jahr 2013 moderat. Der Umsatz legt um 2,6 Prozent auf umgerechnet 7,9 Milliarden Dollar zu (Schätzung). In der Rangliste der größten Pharmaunternehmen der Welt schafft es Merck damit auf Platz 23. Das könnte sich aber ändern, denn das Unternehmen plant einen Zukauf: Die Darmstädter bieten rund zwei Milliarden Dollar für die britische Spezialchemiefirma AZ Electronic Materials – eine ehemalige Hoechst-Tochter, die unter anderem Komponenten für Apples iPad liefert.

Boehringer Ingelheim GmbH
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Deutsche Unternehmen: Boehringer Ingelheim

Das Familienunternehmen ist der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern. Im Jahr 2013 hielt Boehringer Ingelheim die Umsätze stabil und landet mit umgerechnet 14,7 Milliarden Dollar (Schätzung) auf Platz 17 der Rangliste. Aktuell ist Boehringer in den USA mit einer Klagewelle konfrontiert. Mehr als 2000 Kläger werfen dem Unternehmen vor, für schwere und zum Teil tödliche Blutungen nach einer Behandlung mit dem Gerinnungshemmer Pradaxa verantwortlich zu sein.

An employee monitors the high-throughput screening of substances at the Pharma Research Center of Bayer HealthCare in Wuppertal
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Deutsche Unternehmen: Bayer

Bayers Pharma-Umsätze wachsen, die Leverkusener legen zum sieben Prozent zu und rücken in der Rangliste mit umgerechnet 14,9 Milliarden Dollar Umsatz auf Platz 16 vor. Gerade Bayers neue Medikamente wie das Schlaganfallmittel Xarelto laufen prächtig. Die Umsatzziele für die fünf stärksten Medikamente wurden erhöht.

huGO-BildID: 5144903 Teva Pharmaceutical Industries Ltd, Produktion
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Platz 10: Teva (Israel)

Der weltgrößte Generika-Hersteller kommt aus Israel: Teva. Im Jahr 2013 stagnierte der Umsatz des Konzern allerdings bei gut 20 Milliarden Dollar. Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen Chef Erez Vigodman. Teva ist auch in Deutschland aktiv – so gehört seit 2009 die Ulmer Ratiopharm zum Konzern.

  • rtr
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