Pharmakonzern Roche in Penzberg
Auf Bergbau folgt Biotech

Die Schließung seines Kohlebergwerkes hat Penzburg gut verkraftet. Zu verdanken hat dies der ehemalige Bergbauort dem Schweizer Pharmakonzern Roche. Das Unternehmen forscht an biotechnologischen Stoffen für Diagnose und Therapie – und investiert hunderte Millionen in die Stadt.

PENZBERG. Den 30. September 1966 haben die Bürger von Penzberg bis heute nicht vergessen. An jenem Tag sind die Bergleute zum letzten Mal in die Grube der oberbayerischen Kleinstadt gefahren, um Pechkohle aus der Erde holen. Das Ende des Bergbaus – damals war es eine Katastrophe. Heute weinen die Menschen der Kohleförderung keine Träne mehr nach. Denn anders als viele ehemalige Bergbauorte hat Penzberg die Schließung gut verkraftet: Wo früher der Förderturm stand, befindet sich heute einer der größten Biotechnologie-Standorte Europas.

Wenn Arno Deger aus seinem Büro blickt, dann sieht er Baukräne und viele, viele Container. In den zweistöckig gestapelten grauen Metallkästen hat der Manager aber keine Bauarbeiter untergebracht, sondern hoch qualifizierte Forscher. Es ist einfach nicht genug Platz für alle im schnell wachsenden Roche-Werk von Penzberg.

Seit Jahren investiert der Schweizer Pharmakonzern kräftig in seinen idyllisch in Sichtweite der bayerischen Alpen gelegenen Standort. 200 Mill. Euro flossen letztes Jahr in neue Gebäude und Anlagen, und dieses Jahr wird es wohl wieder so viel sein. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, entsteht weit entfernt von den traditionellen Zentren der deutschen Pharmaindustrie an Rhein und Neckar ein riesiger Forschungs- und Produktionscampus.

„Wir haben frühzeitig auf Biotech gesetzt“, erklärt Biochemiker Deger, der den Standort führt. Hier forschen Experten an biotechnologischen Stoffen für Diagnose und Therapie, gleichzeitig werden auch Wirkstoffe hergestellt. Es ist damit der einzige Standort von Roche weltweit, an dem Forschung, Entwicklung und Produktion für die beiden Sparten Diagnostik und Pharma unter einem Dach betrieben werden.

Dass heute 4 000 Menschen in Penzberg in der Pharmabranche tätig sind, ist einer ganzen Reihe von Zufällen zu verdanken, die bis in den Zweiten Weltkrieg zurück reichen. 1946 entschließt sich Boehringer Mannheim, Teile seiner Forschung aus Sicherheitsgründen aus der Kurpfalz ins beschauliche Tutzing am Starnberger See zu verlegen.

Mit den Jahren wird es jedoch zu eng in Tutzing. Die Konzernzentrale sucht einen Bauplatz in der Nähe. Ein Mitarbeiter macht die Manager eines Tages auf das brach liegende Bergwerksgelände im nahe gelegenen Penzberg aufmerksam. 1972 legt Boehringer Mannheim den Grundstein in Penzberg.

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