Pharmakonzern steckt Profite aus dem Generika-Geschäft in Forschung an eigenen Wirkstoffen
Teil 6: Doppelstrategie soll Ranbaxy globale Größe bringen

Indiens Pharmaindustrie steckt im Umbruch. Mit billigen Nachahmer-Medikamenten drängen immer mehr heimische Anbieter auf westliche Märkte. Gleichzeitig entdecken multinationale Konzerne das Land als Entwicklungsstandort und investieren kräftig.

„Nach der IT wird Pharma zur nächsten Branche, mit der Indien weltweit Wellen schlägt“, prophezeit Brian Tempest, Chef von Indiens größtem Pharmaunternehmen Ranbaxy. Er sieht mehrere indische Firmen zu globalen Spielern aufrücken – allen voran seine eigene.

Ranbaxy ist der zehntgrößte Hersteller von Generika weltweit. Bis 2012 will Tempest den Umsatz durch Übernahmen und organisches Wachstum von jetzt 1,2 Mrd. Dollar auf fünf Mrd. Dollar steigern und Nummer fünf des Marktes werden. Die Einnahmen aus dem Generika-Geschäft sollen zugleich eine Transformation seiner Firma finanzieren – zu einer, die selbst entwickelte Medikamente unter eigener Marke vertreibt.

Große heimische Wettbewerber wie Wockhardt und Dr. Reddy’s folgen derselben Strategie. Zum Teil ist diese aus der Not geboren. Im Januar hat Indien ein Patentrecht verabschiedet, das Pharmafirmen ihre traditionelle Existenzgrundlage entzieht: Sie dürfen in westlichen Ländern geschützte Medikamente nicht länger kopieren und in Indien und anderen unregulierten Märkten vertreiben. „Das zwingt dazu, innovativere Produkte zu suchen“, sagt Tempest. Er sieht das Gesetz positiv: Der neue Patentschutz stärke Indiens Vorteile als Forschungsstandort. „Die Chemiker hier sind genauso gut wie die Ingenieure“, sagt er. Medikamente könnten daher um 80 Prozent billiger entwickelt werden als im Westen.

Tempest hat Ranbaxys Entwicklungsetat auf sieben Prozent vom Umsatz erhöht, in zwei Jahren sollen es zehn Prozent werden. Nur etwas mehr als ein Drittel davon fließt allerdings in die Entdeckung neuer Wirkstoffe. Den Rest geht in die Entwicklung neuer Generika, denn diese werden noch lange der Wachstumsmotor bleiben.

Eine alternde Gesellschaft und die Finanzierungsnöte westlicher Gesundheitssysteme erleichtern Billiganbietern aus Indien den weltweiten Vertrieb legaler Generika. Ranbaxys Umsatz stammte 2004 zu 36 Prozent aus den USA, zu 16 Prozent aus Europa und nur noch 19 Prozent aus Indien. Bald soll Amerika für die Hälfte des Geschäfts aufkommen. Dort kommt heute schon jeder vierte Antrag auf Zulassung eines Generikums von indischen Firmen.

Europa sieht Tempest als zweiten Wachstumsmotor. In Deutschland beliefert Ranbaxy Firmen wie Ratiopharm und Hexal. Doch Tempest ist mit Platz 33 in Deutschland nicht zufrieden: „Wir suchen seit drei Jahren nach einer strategische Übernahme, die uns unter die ersten Zehn bringt.“ Bisher seien Verhandlungen aber an hohen Bewertungen gescheitert. Novartis’ Übernahme von Hexal für 5,6 Mrd. Euro habe die Lage erschwert. „Die Preise in Deutschland sind Nonsens“, sagt Tempest.

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