Pharmakonzern
Übernahme und Konkurrenz belasten Pfizer

Vor allem wegen einer milliardenschweren Übernahme und der zunehmenden Konkurrenz für den wichtigen Umsatztreiber Lipitor hat der weltgrößte Arzneimittelhersteller Pfizer im dritten Quartal Gegenwind verspürt.
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FRANKFURT. Das dritte Quartal 2010 markiert für die westlichen Pharmakonzerne einen Wendepunkt: Erstmals seit Jahrzehnten verbuchten die zehn führenden Hersteller im Kerngeschäft mit Markenarzneimitteln in der Summe einen Umsatzrückgang. Dies jedenfalls gilt, wenn man das organische Wachstum betrachtet, also Effekte aus den großen Übernahmen und Fusionen des vergangenen Jahres ausklammert.

Insgesamt errechnet sich für die Führungsgruppe ein Umsatzminus auf Dollarbasis von etwa drei Prozent. Lediglich Novartis und Johnson & Johnson konnten im dritten Quartal nennenswerte Umsatzsteigerungen im Pharmabereich ausweisen. Für die ersten neun Monate sehen die Zahlen noch etwas günstiger aus, weil vor allem das erste Quartal etlichen Herstellern noch ein relativ starkes Geschäft beschert hatte.

Seither hat sich jedoch der negative Umsatztrend für die Pharmagroßkonzerne kontinuierlich verstärkt. Auslöser sind zum einen Sparmaßnahmen in den Gesundheitssystemen mehrerer Länder, zum anderen eine Reihe weiterer Patentabläufe bei wichtigen Produkten, so etwa bei dem Thrombosemittel Lovenox von Sanofi-Aventis oder dem Herzmittel Cozaar von Merck & Co.

Auch beim Marktführer Pfizer, der gestern als letzter der großen Pharmakonzerne seine Quartalszahlen vorlegte, ist der Negativtrend klar erkennbar. Zwar konnte Pfizer dank der Integration des US-Konkurrenten Wyeth den Umsatz im dritten Quartal um 39 Prozent auf gut 16 Mrd. Dollar steigern. Klammert man diesen Effekt aus, errechnet sich nach Angaben des US-Konzerns indes ein Umsatzrückgang von rund vier Prozent, bedingt unter anderem durch erste Patentabläufe beim Hauptprodukt, dem Cholesterinsenker Lipitor.

Nicht zuletzt um die zu erwartenden Umsatzverluste bei diesem Topprodukt zu kompensieren, hat Pfizer im vergangenen Jahr den Konkurrenten Wyeth und vor wenigen Tagen auch den kleineren Pharmaspezialisten King übernommen.

Ähnlich wie Pfizer suchen inzwischen fast zwei Drittel der Pharmafirmen ihr Heil in der Diversifikation. Mangels organischem Wachstum setzen sie darauf, ihr Sortiment durch Zukäufe zu verbreitern. Ziel ist es, größere Stabilität zu erlangen und gleichzeitig Synergien durch Kostensenkung zu erschließen.

Im Falle Pfizer hat das Management seine ehrgeizige Ziele für die Effizienz-Steigerung ungeachtet der Wachstumsschwächen bekräftigt und für 2012 eine operative Rendite zwischen 30 und 40 Prozent in Aussicht gestellt. Für 2010 hat der Konzern seine Ergebnisprognose sogar leicht angehoben, nachdem das „adjustierte“ Ergebnis im dritten Quartal um gut ein Viertel auf 4,4 Mrd. zulegte.

In dieser Rechnung werden allerdings diverse Belastungen, etwa für Restrukturierungen und juristische Verfahren ausgeklammert. Unter dem Strich sank der Pfizer-Gewinn um 70 Prozent auf 866 Mio. Auch für das Gesamtjahr wird für den Nettogewinn ein deutlicher Rückgang erwartet – wie auch bei den meisten anderen Pharmagroßkonzernen.

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