Pharmakonzern
Wenig Begeisterung bei Mappus’ neuem Arbeitgeber Merck

Der Konzern hält an der Berufung des Ex-Politikers zum Brasilien-Chef fest – obwohl selbst die Gründerfamilie wenig begeistert ist.
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Frankfurt/StuttgartDer frühere baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus leitet für Merck ab kommendem März das Brasilien-Geschäft – doch selbst wichtige Stimmen aus dem Kern des Pharmakonzerns stellen die Personalie infrage.

Mappus steht in der Kritik, seit der Staatsgerichtshof von Baden-Württemberg vor zwei Wochen entschieden hat, dass der von Mappus eingefädelte Kauf einer 45-prozentigen Beteiligung am Energieversorger EnBW durch das Land gegen die Landesverfassung verstoßen hat.

Im mittleren Management, berichten Firmeninsider, verstünden viele nicht, warum Merck eine solche Position nicht mit einem erfahrenen Manager aus den eigenen Reihen oder aus der Branche besetzt. Mappus wird in Brasilien rund 360 Millionen Euro Umsatz verantworten. Selbst Vertreter der Gründerfamilie, heißt es in Unternehmenskreisen, waren nicht begeistert von der Personalie.

Merck hält ungeachtet der jüngsten Entwicklung aber weiterhin an der umstrittenen Personalie fest. „Die derzeitige Diskussion um das Urteil des Staatsgerichtshofes beschäftigt sich nicht mit Sachverhalten, die unser Unternehmen betreffen“, sagte ein Firmensprecher. Mit Stefan Mappus gewinne man eine Führungskraft mit Managementqualitäten und Erfahrung als Ministerpräsident eines großen, wirtschaftlich erfolgreichen Bundeslandes.

In Unternehmenskreisen heißt es, mit der Berufung habe man dazu beitragen wollen, Politikern bessere Perspektiven in der Wirtschaft zu bieten. Diese Argumentation habe auch der Gesellschafterrat akzeptiert. Mappus ließ Anfragen des Handelsblatts unbeantwortet.

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  • Kleiner Tip an Merck:
    Gebt ihm 365 Tage Urlaub, bei vollem Gehalt und lasst den Job jemanden machen, der was davon versteht.
    Das kommt am Ende billiger.

  • 360 Millionen in der Verantwortung von Mappus! In nur 15 Monaten hat der mann bewiesen: setze einen Bettelmann aufs Pferd und er reitet es kaputt.

  • Was hat ein Unternehmen davon "Politikern bessere Perspektiven in der Wirtschaft zu bieten"? Was soll das anderes bedeuten, als daß Politikern, die in Ihrer Amtszeit zum Wohle des Unternehmens regieren, in Aussicht gestellt wird dafür nach Ende der Amtszeit von den Unternehmen dafür finanziell belohnt zu werden? Kommt das nicht aufs gleiche raus, wie wenn Politiker direkt geschmiert werden?

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