Pharmakonzerne forcieren Kostensenkung
Pfizer plant umfangreichen Stellenabbau – auch in Deutschland

Der US-Pharmakonzern Pfizer plant einen massiven Stellenabbau im Vertrieb. Mehr als 500 Arbeitsplätze sollen in Deutschland entfallen. Mit den strengen Sparmaßnahmen ist Pfizer nicht allein.
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FrankfurtDie nächste Sparwelle in der Pharmabranche rollt heran und wird die deutschen Standorte der Großkonzerne nicht verschonen. Das zeigen neue Kürzungspläne des US-Konzerns Pfizer. Er will  nach Informationen aus Unternehmenskreisen mehr als  500 seiner insgesamt noch 4 000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Betroffen davon ist vor allem der Außendienst, ein Teil der Kürzungen dürfte aber auch auf Verwaltungsfunktionen in Berlin entfallen.

Die Pläne sind einerseits Teil eines globalen Sparprogramms, mit dessen Hilfe der US-Konzern seine Erträge über eine Phase wichtiger Patentabläufe und schwacher Umsätze hinweg retten will. Indirekt spielen aber auch die Zwangsrabatte auf dem deutschen Pharmamarkt und  die drohenden Preisrestriktionen aufgrund der jüngsten Gesundheitsreform eine Rolle spielen. „Das gesundheitspolitische Umfeld hat die Erwartungen für das künftige Geschäft deutlich eingetrübt“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

 Unter anderem muss Pfizer fürchten, dass sein wichtiger Umsatzträger Lyrica unter Festbetrag fällt. Für das Schmerzmittel würde in diesem Fall ein Erstattungs-Höchstbetrag auf dem Niveau preiswerter Generika festgelegt, mit der Gefahr hoher Umsatzeinbußen für Pfizer.  Der Löwenanteil der Stellen  soll daher im Vertrieb des Bereichs  „Primary Care“ entfallen,  in dem Pfizer das Geschäft mit Produkten für die Allgemeinmedizin gebündelt hat. Produktionsstätten in Freiburg und Illertissen sowie das Logistikzentrum in Karlsruhe sind von den Kürzungsplänen dagegen nicht betroffen. Pfizer selbst will sich zu Einzelheiten nicht äußern. Die Pläne seien nun Gegenstand der Verhandlungen mit dem Betriebsrat, so der Unternehmenssprecher, weitere Details könne man daher nicht benennen. 

Hintergrund für die Pläne von Pfizer ist auch ein globaler Rationalisierungstrend in der Branche, der vor allem durch Patentabläufe und wachsende Generikakonkurrenz angetrieben wird.  Nach Schätzung der Ratingagentur Standard & Poor’s werden  bis Ende 2012 Originalmedikamente mit rund 40 Milliarden Dollar Umsatz den Patentschutz verlieren,  darunter zum Beispiel der Cholesterinsenker Lipitor, der zuletzt noch knapp elf Milliarden Dollar um Pfizer-Gesamtumsatz von 68 Milliarden Dollar beisteuerte.  Gleichzeitig sind die erhofften Erfolge in der Produktentwicklung vielfach ausgeblieben. Bei etlichen Großkonzernen, darunter Pfizer, Sanofi, Glaxo-Smithkline und Bayer, hat sich das Umsatzwachstum daher stark verringert, teilweise schrumpfen die Erlöse sogar.

Um trotzdem ihre hohe Ertragskraft zu verteidigen, setzen die Pharmariesen schon seit etlichen Jahren auf Konsolidierung und umfangreiche Sparprogramme. Diese Strategien werden nun weiter forciert.

Wie aus dem jüngsten Quartalsbericht hervorgeht, hat Pfizer das Ziel für den Stellenabbau in den vergangenen Monaten um gut 5 000 Positionen erhöht. Weltweit will der Konzern die Zahl seiner Mitarbeiter insgesamt noch um 16000  oder rund 15 Prozent reduzieren. Dabei hat er seit der Übernahme des US-Konkurrenten Wyeth Ende 2009 bereits rund 13 000 Jobs eliminiert. 

Auch andere Konzerne haben jüngst ihre Effizienzprogramme erweitert. Der US-Konzern Merck & Co kündigte vor wenigen Wochen den Abbau von zusätzlichen zwölf  Prozent seiner Arbeitsplätze an, was etwa 13 000 Stellen entspricht. Der Konzern hofft damit,  rund 1,4 Milliarden Dollar an zusätzlichen  Synergien aus der Fusion mit Schering-Plough herauszuholen. Ob und inwieweit die deutsche Tochter MSD davon betroffen ist, bleibt vorerst offen.

Auch der französische Konzern Sanofi hat jüngst seine Effizienzprogramme aufgestockt. Zusätzlich zu 700 Millionen Euro an Synergien aus der Übernahme des US-Biotechunternehmens Genzyme will Firmenchef Christopher Viehbacher in anderen Konzernbereichen weitere 1,3 Milliarden Euro an Kosten einsparen. Welche Personaleinschnitte damit verbunden sind, lässt der französische Konzern bisher offen. Belegschaftsvertreter gehen indes davon aus, dass die Pläne unter anderem zum Abbau von 400 Stellen in der Forschung am Standort Frankfurt Höchst führen wird.

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