Pharmakonzerne investieren in Kontrollen und feilen an Sicherheitsmerkmalen
Gefährliche Pillen

Der Markt für gefälschte Arzneimittel boomt, Aufsehen erregende Funde sorgen für Schlagzeilen. Die meisten Giftküchen brodeln in China und Indien. Einfallstore nach Europa und die USA sind das Internet und der Zwischenhandel.

HB DÜSSELDORF. Ein Schreibfehler machte Zollbeamte in einer Hamburger Spedition neugierig. „Diagra“ stand auf den Verpackungen, die fein säuberlich auf einer Palette ruhten. Die heiße Ware, 40 000 Pillen aus Neu-Delhi, unterschieden sich kaum vom Original „Viagra“. Die Spuren führten zu einem 49-Jährigen, der mit den Fälschungen gehandelt hatte. Doch er war wohl nur das kleinste Rad im Getriebe. Seine Geschäftspartner in Indien machten einfach weiter. Wenige Monate nach den Diagras entdeckten Fahnder weitere 120 000 Pillen – Viagra stand diesmal auf den Präparaten.

„Die Gefahr von Arzneimittelfälschungen nimmt auch in Europa zu“, sagt Walter Köbele, Chef von Pfizer Deutschland. Der Pharmakonzern ist Zulassungsinhaber von Viagra. Den Trend bestätigt auch James Christian, Sicherheitschef von Novartis: „Weltweit wächst das Geschäft mit gefälschten Medikamenten alarmierend.“

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind zwischen acht und zehn Prozent aller Medikamente gefälscht. Der Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie schätzt, dass die Pharmaindustrie als Patentinhaber jährlich um 17 Mrd. Euro betrogen wird.

Kein Wunder also, dass in der verschwiegenen Pharmaindustrie langsam ein Sinneswandel einsetzt. Auf einer Konferenz in Straßburg, stand das Problem jetzt auf der Tagesordnung. Zum ersten Mal kamen ermittelnde EU-Beamte mit Pharmamanagern zusammen. Ihnen allen machen gleich zwei Trends Sorge: Gefälscht wird immer mehr und professioneller. Hightech-Falsifikationen dominieren den Markt – trotz Sicherheitsmerkmalen wie Hologramme und Chargennummern.

Ein Großteil der heißen Ware kommt nachweislich aus Indien und China, aber zunehmend auch aus Osteuropa. „Zum Großteil erreicht die Ware Europa über den Luftweg", sagt Pierre Bertrand, von der Weltzollorganisation. Dass heißt: per Luftfracht, Kurier oder einfach im Koffer. Vor allem Lifestyle-Medikamente wie Medikamente gegen Potenzstörungen, erblich bedingten Haarausfall, zur Gewichtsreduktion und zum Nikotinentzug kursieren.

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