Pharmakonzerne: Novartis und Roche vor neuen Ermittlungen

Pharmakonzerne
Novartis und Roche vor neuen Ermittlungen

Nun rücken sie auch ins Visier italienischer Staatsanwälte: Novartis und Roche sollen den Markt manipuliert und schweren Betrug begangen haben. Die italienische Wettbewerbsbehörde hat bereits Strafen verhängt.
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Rom/ ZürichDie beiden Schweizer Pharmakonzerne Novartis und Roche sind nach einer Buße der italienischen Wettbewerbsbehörde auch ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Staatsanwälte in Rom würden der Frage nachgehen, ob die beiden Konzern Marktmanipulationen und schweren Betrug begangen hätten, hieß es am Donnerstag in Justizkreisen in Rom. Formelle Ermittlungsverfahren seien nicht eröffnet worden.

Am Vortag hatte die italienische Wettbewerbsbehörde gegen die beiden Konzerne Strafen von jeweils rund 90 Millionen Euro verhängt. Nach Ansicht der Behörde haben sich Roche und Novartis bei Medikamenten zur Behandlung von Augenleiden verbotenerweise abgesprochen, um den Einsatz des Roche-Medikaments Avastin gegen die Augenkrankheit AMD zu verhindern. Stattdessen sollten Ärzte das wesentlich teurere Mittel Lucentis verschreiben, das beide Konzerne vermarkten. Die Schweizer Konzerne wiesen die Vorwürfe zurück und kündigten Berufung an.

Das Krebsmedikament Avastin sei überhaupt nicht für die Behandlung von altersbedingter Netzhautdegeneration (AMD) zugelassen, betonten Novartis und Roche. Studien zufolge wirkt Avastin, wenn auch mit größeren Nebenwirkungen, auch bei AMD. Ärzte setzen das deutlich billigere Mittel deshalb auch zur Behandlung der Augenkrankheit ein.

Die Wirkstoffe von Lucentis und Avastin - Ranibizumab und Bevacizumab - wurden beide von Roches US-Biotechnologietochter Genentech entwickelt. Novartis verfügt über die Lucentis-Vertriebsrechte außerhalb der USA. Für beide Konzerne geht es um viel Geld: Roche erzielte im vergangenen Jahr mit Lucentis umgerechnet 1,4 Milliarden Euro Umsatz, bei Novartis waren es 1,7 Milliarden Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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