Pharmakonzerne
Nycomed erwägt Börsengang

Auch wenn es sich ungewöhnlich anhört, eine Überrschung ist diese Nachricht eigentlich nicht: Der in Privatbesitz befindliche Schweizer Pharmakonzern Nycomed erwägt laut einem Zeitungsbericht, sich selbst für bis zu zehn Milliarden Euro zum Verkauf anzubieten.

STOCKHOLM. Der Schweizer Pharma-Konzern Nycomed erwägt einen Börsengang. Das sagte der Chef des ehemals dänischen Unternehmens, Håkan Björklund, der schwedischen Wirtschaftszeitung „Dagens Industri“. „Wenn der Markt sich wieder erholt hat, werden wir auswerten, ob es der richtige Zeitpunkt für einen Börsengang ist“, erklärte Björklund.

Gleichzeitig wollte er nicht ausschließen, dass sein Unternehmen, das seit 2005 zu 41,1 Prozent der Private Equity Nordic Capital gehört, selbst Zukäufe durchführen könnte. „Wir sollten eine oder einige Akquisitionen in Asien tätigen“, so Björklund. Einen Zeitpunkt für eventuelle Übernahmen nannte er nicht.

Ein Verkauf von Nycomed an einen Konkurrenten wird nach Angaben des Wall Street Journal ebenfalls erwogen. Das Blatt, das sich auf unternehmensnahe Kreise bezieht, beziffert den Kaufpreis des Pharmakonzerns auf rund zehn Mrd. Euro. Das wäre der zehnfache erwartete Vorsteuergewinn im laufenden Jahr. 2008 setzte Nycomed 3,4 Mrd. Euro um. Weder Nycomed, noch die Private Equity-Eigner des Unternehmens wollten den Bericht kommentieren.

Die Spekulationen über die Zukunft von Nycomed kommen zu einem Zeitpunkt mit mehreren großen Fusionen innerhalb der Pharmabranche. Zuletzt übernahm der US-Konzern Merck & Co. den Rivalen Schering-Plough für umgerechnet gut 30 Mrd. Euro

.

Nycomed ist Hersteller von erfolgreichen Magen- und Luftwegsmedikamenten wie Protonix. Dem Lungenmedikament Daxas wird ein großer Erfolg weltweit vorhergesagt, wenn die Zulassung in den USA und Europa erfolgt. Kaufinteressenten dürfte es deshalb nach Ansicht von Analysten geben. Dazu zählen Sanofi aus Frankreich, Astra Zeneca aus Großbritannien sowie Eli Lilly und Merck & Co. aus den USA. Zu den wichtigsten Märkten von Nycomed zählen Russland, Asien und Lateinamerika.

In Deutschland übernahm Nycomed Ende 2006 den Arzneimittelhersteller Altana. Der Gesamtkonzern mit Hauptsitz in Zürich beschäftigt weltweit 11 500 Mitarbeiter. Neben Nordic Capital hält Credit Suisse an dem Unternehmen 25,1 Prozent. Coller International Partners ist mit neun Prozent an Nycomed beteiligt.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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