Pharmaunternehmen
Bei Astra-Zeneca muss fast jeder zehnte Mitarbeiter gehen

Pascal Soroit, neuer Chef beim britischen Pharmaunternehmen Astra-Zeneca, hat keine schnelle Lösung für die Probleme des Konzerns. Der Umsatz schrumpft rasant und ein baldiges Ende ist nicht in Sicht.
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LondonDer neue Chef von Astra-Zeneca will das britische Pharmaunternehmen mit einem radikalen Stellenabbau auf Wachstum trimmen. Im Rahmen seiner mit Spannung erwarteten Strategie kündigte der frühere Roche -Manager Pascal Soriot am Donnerstag die Streichung weiterer 2.300 Stellen in Verwaltung und Vertrieb an. Zusammen mit den bereits verkündeten Sparmaßnahmen fällt somit bis 2016 jede zehnte Stelle bei Astra-Zeneca weg. Grund ist der hohe Spardruck angesichts auslaufender Patente für erlösstarke Medikamente. Experten rechnen damit, dass der Umsatz bis 2017 auf 22 Milliarden Dollar von zuletzt rund 28 Milliarden einbrechen wird.

Soriot räumte ein, er habe keine schnelle Lösung für Astra-Zeneca. Dass sich das Unternehmen wie so mancher Rivale aus dem Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten ganz zurückziehen könnte, schloss er aus. Vielmehr soll die Forschung gebündelt werden. Sie werde künftig auf drei zentrale Bereiche ausgerichtet: Krebs, Erkrankungen der Atemwege sowie Störungen bei Stoffwechsel, Herz und Kreislauf. Durch Zukäufe will Soriot für den dringend benötigten Nachschub an neuen, vielversprechenden Medikamenten sorgen.

„Wir geben ein klares Bekenntnis ab, unsere Bemühungen und Ressourcen auf unsere wichtigsten Wachstumsfelder und Projekte zu konzentrieren“, erklärte Soriot. Der gebürtige Franzose ist seit Oktober Chef bei Astra-Zeneca und soll dort das Ruder herumreißen.

Derzeit beschäftigt Astra-Zeneca gut 51.000 Mitarbeiter weltweit. Am Montag bereits wurde der Abbau von 1.600 Stellen in der Forschung bekannt. Schon 2012 besiegelte das Management die Streichung von 1.150 Stellen. Insgesamt wird der Jobabbau einmalig mit 2,3 Milliarden Dollar zu Buche schlagen. Ab 2016 sollen die Kosten dafür um 800 Millionen Dollar pro Jahr sinken.

Astra-Zenecas Umsatz schrumpft rasant. Zum einen steigt die Konkurrenz durch Nachahmerprodukte, sogenannte Generika. Zum anderen fehlen dem Unternehmen künftige Umsatzbringer. Experten erwarten von der neuen Strategie aber keine schnellen Erfolge. „Der Gipfel, den es zu erklimmen gibt, ist hoch“, sagte Navid Malik vom Wertpapierspezialisten Cenkos Securities. Beim britischen Rivalen GlaxoSmithKline habe es zehn Jahre gedauert, bis der wegen auslaufender Patente sinkende Umsatz wieder auf Touren gekommen sei. Anleger nahmen die Vorschläge Soriots positiv auf: Die Aktien des Unternehmens legten um 2,5 Prozent zu.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • AstraZeneca braucht neue Medikamente und streicht Stellen in der Forschung? Sehr vielversprechend! Viel Glück!

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