Piëch contra Pischetsrieder
Hickhack bei VW lässt Ratingagenturen kalt

Bei Volkswagen fliegen die Fetzen: Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch wettert gegen den Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder. Das alles passiert öffentlich. Autoexperten warnen von einer Beschädigung des gesamten Unternehmens. Doch die Ratingagenturen reagieren betont gelassen.

DÜSSELDORF. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen, malt Volkswagens Zukunft in düsteren Farben, sollte der Führungsstreit nicht bald beigelegt werden. Gegenüber der Deutschen-Welle-TV sagte er am Montag, der Schaden für VW sei „enorm“, auch deshalb, weil es kein einmaliges Ereignis sei. „Wir beobachten in den letzten zwei Jahren permanent Störfeuer, die von Piëch, die von anderen kommen.“ An dem Konzern werde von allen möglichen Seiten gezerrt.

Piëch hatte über eine Zeitung verbreiten lassen, Pischetsrieders Vertragsverlängerung über das Jahr 2007 hinaus sei alles andere als sicher. Denn die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat seien gegen ihn. Ungeachtet des Wahrheitsgehalts von Piëchs Aussage werteten Branchenkenner dies als Angriff auf den Vorstandsvorsitzenden. Pischetsrieder saniert derzeit Europas größten Autoproduzenten und macht auch vor Stellenabbau, Lohnkürzungen, Mehrarbeit und sogar Werksverkäufen nicht halt. Piëch scheint darin eine Zerstörung seines Lebenswerks zu sehen; er war der Vorgänger Pischetsrieders.

Obgleich die Querelen in der Führungsetage von VW am Image kratzen, haben sie für den Konzern zumindest keine negativen Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit. „Wir sehen keinen Grund zum Handeln“, sagte Falk Frey, bei der Rating-Agentur Moody’s für den Automobilsektor verantwortlich, gegenüber Handelsblatt.com. Das Rating bleibt deshalb trotz der Personaldiskussion stabil. Eine Änderung kommt für Frey nur aus zwei Gründen in Betracht: Erstens bei einem Wechsel an der Vorstandsspitze und auch dann nur, wenn der Neue den Kurs ändert. „Wenn etwa VW künftig Flugzeuge statt Autos bauen will“, machte es Frey plastisch. Zweitens bei allzu häufigen Wechseln in der Chefetage wie etwa bei Fiat. „Dann fehlt uns die Kontinuität, was eine verlässliche Vorhersage der Kreditwürdigkeit äußerst schwer macht.“

Bei VW liegen die Dinge aber anders: VW-Vorstandschef Pischetsrieder ringt derzeit um die Verlängerung seines Fünf-Jahres-Vertrags, der im Frühjahr 2007 ausläuft. „Das ist für uns ein ganz normaler Vorgang“, sagt Frey. Für den Autoexperten von Moody’s ist der Fall damit erst mal abgeschlossen. Interessant wird es für ihn erst wieder, wenn Pischetsrieder tatsächlich abtritt. „Den Neuen werden wir uns auf jeden Fall genau anschauen.“

Auch Marktführer Standard & Poor’s hat sein Rating bislang unverändert gelassen. „Der Vorstand von VW besteht ja nicht nur aus einer Person“, begründete eine Sprecherin die Entscheidung gegenüber Handelsblatt.com. Man habe aber ein Auge auf das Unternehmen.

Die jüngsten Äußerungen von Pischetsrieder auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag geben den Ratingagenturen bei ihrer nüchternen Einschätzung der Lage Recht. Am Kurs des VW-Chefs hat sich nichts geändert. Er unterstrich noch einmal die Notwendigkeit der Sanierung: „Für unseren Konzern gibt es keine Alternative.“ Es seien aber weiterhin erhebliche Anstrengungen notwendig, „um die Zukunft der Volkswagen AG nachhaltig zu sichern“.

Im Februar hatte Pischetsrieder ein Programm für die schwächelnde Hauptmarke VW angekündigt, von dem bis zu 20 000 Mitarbeiter betroffen sein könnten. Was genau er damit meinte, ließ er im Unklaren. Dies wird derzeit in Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern geklärt. Arbeitsdirektor Horst Neumann hofft, „schon bald“ erste Ergebnisse präsentieren zu können. Diese konkreten Ergebnisse dürften die Ratingagenturen vielmehr aufhorchen lassen als der Kampf um die Macht im Konzern.

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