Piëch trennt sich von VW-Anteilen
Der Rückzug des Patriarchen

Ferdinand Piëch zieht sich zurück: Der frühere VW-Aufsichtsratschef überträgt sein Aktienpaket an der Familienholding Porsche SE an Mitglieder der Familien Porsche und Piëch. Doch eine kleine Verbindung zu VW bleibt.
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StuttgartFerdinand Piëch trennt sich von seinen Anteilen an Volkswagen. Der frühere Firmenpatriarch werde „den wesentlichen Anteil“ der Stammaktien der Porsche SE an „weitere Mitglieder der Familien Porsche und Piëch übertragen“, teilte die Porsche SE am Montag mit. Um welche Familienmitglieder es sich dabei handelt, ist noch nicht bekannt.

Die Familienholding hält die Mehrheit der Stimmrechte am Volkswagen-Konzern. Piëch hält seine Anteile von 14,7 Prozent an der Porsche SE über mehrere Privatstiftungen. Allein die Ferdinand Karl Beta Privatstiftung bleibe weiterhin „geringfügig mittelbar“ an der Porsche SE beteiligt.

Das Handelsblatt hatte Ende März berichtet, dass der bald 80-Jährige seine Anteile im Wert von 1,2 Milliarden Euro zum Verkauf gestellt habe. Er will raus, und das möglichst schnell, hieß es in Kreisen, die mit dem Verhandlungsstand vertraut waren. An der Spitze dieses Kontrollgremiums sitzt Piëchs Cousin Wolfgang Porsche. Familienintern kam es zu Spannungen. Erst kürzlich sagte Wolfgang Porsche auf dem Genfer Autosalon, Familie könne man sich nicht aussuchen.

Das Kartellamt muss dem Vorhaben ebenso noch zustimmen wie Finanzaufsichtsbehörden mehrerer Länder. Überraschend: Bis zum Vollzug der Transaktion bleibt Piëch Aufsichtsratsmitglied der Porsche SE. Auf der Hauptversammlung der Holding Ende Mai in Stuttgart soll er in seinem Amt bestätigt werden.

Piëch hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Volkswagen zum Weltkonzern aufgestiegen ist. Seine Mutter Louise ist eine Tochter des berühmten Ferdinand Porsche, des Begründers der Dynastie. Nach dem Studium startet Piëch 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen als Entwicklungsingenieur und bleibt dort bis 1972.

Danach beginnt seine wichtige Zeit bei Audi, wo er 20 Jahre lang tätig ist und wo er bis zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigt. Die zwei Jahrzehnte in Ingolstadt sind eine wichtige Grundlage für das, was danach noch kommen sollte.

1992 wechselt Piëch nach Wolfsburg und übernimmt dort das Amt des Vorstandschefs. Zehn Jahre prägt er in der VW-Zentrale das Geschäft von Europas größtem Automobilkonzern, danach wechselt er auf den nicht minder einflussreichen Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden. Länger als ein Jahrzehnt besetzt er die Position des Chefkontrolleurs im Volkswagen-Konzern und bestimmt auch von dort mit, was im Unternehmen passiert und welche Autos gebaut werden.

Am 25. April 2015 tritt er zurück: Mit seiner Attacke auf den damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn hatte es sich der Patriarch mit den Miteigentümern verscherzt. Seither war die Familie verkracht, weil Wolfgang Porsche sich mit den Vertretern des Landes Niedersachsen und den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat gegen ihn verbündet hatte.

Für einen Paukenschlag sorgte vor wenigen Wochen das Bekanntwerden von Piëchs Aussagen bei der Staatsanwaltschaft und den internen Ermittlern von VW über den Dieselskandal. Er warf Wolfgang Porsche und anderen Aufsichtsratsmitgliedern vor, wie er selbst schon im Frühjahr 2015 über den Betrug mit Abgaswerten bei Diesel-Motoren Bescheid gewusst zu haben. Die Betroffenen wiesen seine Äußerungen als unwahr zurück.

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