Als deshalb Karl Feldmayer und damit der erste aktive Zentralvorstand bald darauf in Untersuchungshaft muss, ist ein neuer Tiefpunkt erreicht. Jetzt beginnt im Aufsichtsrat die Absetzbewegung – allen voran bei der IG Metall, um deren Unterstützung von Pierer lange Jahre immer wieder, zumeist erfolgreich geworben hatte.
Auch in der deutschen Wirtschaft regt sich Widerstand: Der am Berliner Center of Corporate Governance wirkende Arbeitskreis hochrangiger Experten veröffentlicht Ende Februar 2007 ein Gutachten, dass harsche Kritik an den Zuständen bei Siemens äußert. Der Fall von Pierer stelle einen „extremen Präzedenzfall“ für die Gefahren dar, die sich aus dem Wechsel des Vorstandschefs in den Aufsichtsrat ergeben, sagt einer der Autoren der Studie.
Von Pierer aber weigert sich beharrlich, persönliche Konsequenzen zu ziehen. „Dies käme einem Schuldeingeständnis gleich“, sagt er selbst. Aus seiner Umgebung hört man, es sei möglich, dass er im Januar 2008 nicht mehr als Aufsichtsratschef antreten werde. Dann müsse das gesamte Gremium neu gewählt werden. Wahrscheinlich spielt von Pierer jetzt auf Zeit.
Mitte März mehren sich die Hinweise, dass sich der Aufsichtsratschef auf die Suche nach einem Nachfolger begeben hat. Schon fällt unter Weggefährten von Pierers ein Name: Gerhard Cromme. Der führende Corporate-Governance-Experte der Republik ist zugleich Vorsitzender im Prüfungsausschuss von Siemens. Von Pierer und Cromme kennen sich sehr gut, sie duzen sich.
Am 26. März 2007 plant das Handelsblatt die Nachricht, dass von Pierer dabei sei, einen Nachfolger zu suchen und Gerhard Cromme als Favorit gelte. Kurz vor dem Andruck sendet von Pierers Anwalt der Redaktion eine E-Mail: „Der von Ihnen angenommene Verdacht ist absurd und offenbar frei erfunden.“ Der Münchener Rechtsanwalt Robert Schweizer droht zudem mit rechtlichen Konsequenzen: „Sie würden die Persönlichkeitsrechte meines Herrn Mandanten schwer verletzen, wenn die Redaktion in irgendeiner Form darüber spekulierte, Herr Prof. von Pierer würde nach einem Nachfolger für sich suchen.“ Das Handelsblatt verzichtet zunächst auf die Nachricht.
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