Der zehnte Chef im Hause Siemens
Die Anfänge: Sein Leben für Siemens, es beginnt 1969, da tritt Heinrich von Pierer, dessen Großvater als Feldmarschall Kaiser Franz-Joseph von Österreich diente, als Syndikus in die Dienste des Elektroriesen. In die Wiege gelegt ist dem am 26. Januar 1941 in Erlangen geborenen promovierten Juristen der steile Aufstieg nicht – aber wenn dieser äußerlich so unauffällige Mensch eines nicht mag: zu verlieren. Er hat es im Tennis 1959 immerhin zum bayerischen Jugendmeister gebracht, in den vergangenen Wochen hat er immer wieder an den weißen Sport erinnert, wenn es darum ging, ob er einen Rücktritt doch verhindern könne: „Im Tennis können Sie scheinbar aussichtslos zurückliegen und am Ende immer noch gewinnen.“
Der Aufstieg: Von 1992 bis 2005 steht von Pierer an der Spitze des Konzerns. Von Anfang an versteht er seine Rolle politisch, systematisch sucht er die Nähe zu den Großen seiner Zeit und zeigt sich mit ihnen wie 1997 mit der englischen Königin Elisabeth II. bei der Eröffnung der Chipfabrik in North Tyneside (Foto unten). Von Pierer und die Queen hätten dieses Foto später gerne vergessen. Denn kurz nach dieser Aufnahme erfasste eine der vielen Chipkrisen auch Siemens. Das Werk in North Tyneside musste schließen, ohne das ein einziger Chip die Fabrik verlassen hätte. Für von Pierer ein Grund mehr, 1998 sein bis heute wirkendes „Zehn-Punkte-Programm“ durchzusetzen.
Am 12. März 2001 drückt der CEO an der New York Stock Exchange den Startknopf für den Handel mit Siemens-Aktien. Das US-Listing offenbart später seine ganze Tücke: In Sachen Schmiergeld wird die US-Justiz aktiv, Siemens muss Dutzende von US-Anwälten engagieren, die das Unternehmen seit Monaten im Auftrag der amerikanischen Börsenaufsicht SEC durchleuchten.
Im Jahr 1999 hat Siemens in Peking die erste elektrische Eisenbahn gebaut, seit 1902 ist der Konzern dort mit einer eigenen Tochtergesellschaft vertreten. Nie aber war das Unternehmen im Fernen Osten so erfolgreich wie unter von Pierer, der auch seine Rolle als Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft nutzte. So ist von Pierer natürlich dabei, als die Magnetbahn Transrapid, zu der Siemens die Antriebstechnik liefert, am 31. Dezember 2002 in Schanghai zur Jungfernfahrt startet. Mit dabei sind auch Thyssen-Chef Ekkehard Schulz und der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.
In höchsten Diensten: Als Berater hat von Pierer mehreren Kanzlern gedient, schwarzen und roten. Zu Angela Merkel entwickelte er schnell ein intensives Verhältnis, sie machte den Siemens-Chef bereits vor ihrer Wahl 2005 zum wirtschaftspolitschen Chefberater. Standhaft weigert sich Angela Merkel bis heute, Heinrich von Pierer wegen des Schmiergeldskandals bei Siemens als Vorsitzenden des Innovationsrates zu entlassen.

