Pierre-André de Chalendar im Interview
St.-Gobain-Chef: „Es muss schnell was passieren“

Der Vorstandschef des französischen Industrie- und Baustoffkonzerns Saint-Gobain verlangt von der Bundesregierung stärkere Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise. "Je länger man zögert, desto schwieriger wird es", sagte Pierre-André de Chalendar dem Handelsblatt.

Handelsblatt: Saint-Gobain ist in drei Sektoren aktiv, die besonders von der Krise betroffen sind: Bau, Autozulieferung und Handel. Haben Sie schon einmal solch einen Abschwung erlebt?

De Chalendar: Nein. Ich arbeite seit rund 20 Jahren für den Konzern, den ich seit gut anderthalb Jahren leite. Die bis dato schwerste Krise war die zu Beginn der 90er-Jahre. Aber die aktuelle Krise ist sicher schlimmer.

Wie schlimm?

Das vermag ich noch nicht zu sagen. Mich erstaunt vor allem, dass die Krise alle Bereiche erfasst. Und das mit einer nie da gewesenen Brutalität. In den USA ist der Bausektor seit zwei Jahren in der Krise. Danach kam der Bausektor in Europa an die Reihe. Bis zum Sommer widerstanden noch die anderen Branchen wie die Industrie. Doch seit Oktober geht die wirtschaftliche Aktivität in allen Sektoren, vor allem im Automobilbau, deutlich zurück.

In Europa gibt es viel Kritik am deutschen Konjunkturpaket, es reiche nicht aus. Sehen Sie das auch so?

Wichtig ist vor allem, dass jetzt schnell etwas geschieht. Je länger man zögert, desto schwieriger wird es, das Vertrauen wieder herzustellen. Staaten sollten daher Maßnahmen ergreifen, die schnell wirken.

Zum Beispiel?

Etwa, indem der Staat Bau-Investitionen fördert, vor allem für energiesparendes Bauen, sei es für Neubauten oder für die Sanierungen von Altbauten.

Das würde natürlich Saint-Gobain sehr zugute kommen. Finanzminister Peer Steinbrück will aber nicht mit deutschen Steuergeldern die Belebung in Ländern bezahlen, die ihre Budgets nicht in Ordnung gebracht haben.

Aber Deutschland braucht doch ein Konjunkturpaket zuallererst für sich selbst! Nehmen Sie den Autosektor, die Lage der Branche in Deutschland ist schlimm. Als Zulieferer erwarte ich ein ganz schlechtes erstes Quartal im Jahr 2009. Passiert nichts, bekommt der deutsche Mittelstand massive Probleme. Von der Ankurbelung der Wirtschaft in Deutschland profitieren sicher auch andere Länder. Deutschland ist aber vom Export und von der Investitionsgüterindustrie abhängig, also hat es großes Interesse daran, dass die Konjunktur in ganz Europa wieder ans Laufen kommt. Ein Kompromiss könnte so aussehen, dass Deutschland jetzt mehr für die Konjunkturbelebung tut, wenn andere Regierungen versprechen, später mehr für die Etatsanierung zu tun.

Frankreich hat ein Hilfspaket über 26 Mrd. Euro angekündigt. Wird es helfen?

Der Plan ist vom Prinzip her gut, denn ein Großteil der geplanten Investitionen betrifft den Bausektor. Ich glaube an eine Art grüne Konjunkturbelebung, die Wachstum und Beschäftigung schaffen wird, indem Gebäude besser wärmegedämmt werden. In diesen Sektor können die öffentlichen Gelder am effizientesten investiert werden.

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