Pink Viagra
Mehr Sex durch Pillen?

Trotz aller Kritik ist die „Sex-Pille für die Frau“ jetzt in den USA zugelassen. Ist das ein Segen für die gleichberechtigte Frau oder nur ein gigantisches Geschäft mit einer Modepille ohne echten Nutzen?
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San FranciscoFür Janet Woodcock ist die Sache klar: „Mit der heutigen Entscheidung bekommen Frauen, die mit ihrem Sexualleben unzufrieden sind, eine zugelassene Therapie-Option“, erklärt die Chefin der Abteilung Medikamentenforschung und Überprüfung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA. Gemeint ist „Addyi“, eine Pille, die - wenn täglich eingenommen - für Frauen die Lust auf Sex steigern soll.

Fälschlicherweise wird sie auch als „Viagra für die Frau“ oder „Pink Viagra“ bezeichnet, was so aber nicht stimmt. Viagra behandelt das klar diagnostizierte physische Krankheitsbild der Erektionsstörung durch gezielte Steigerung der Durchblutung im Genitalbereich. Der Wirkstoff „Flibanserin“ in Addyi soll dagegen im Kopf der Frau sozusagen einen emotionalen Schalter umlegen. Flibanserin senkt den Spiegel des lusthemmenden Hormons Serotonin und veranlasst die Ausschüttung der Glückshormone Dopamin und Noradrenalin. Das soll die Lust auf Sex steigern.

Für den Hersteller Sprout ist die abschließende Zulassung durch die FDA, die Food and Drugs Administration, ein Meilenstein und vielleicht die Lizenz zum Gelddrucken. Milliarden von Dollar winken, wenn das Produkt auf den Markt kommt. Die Chancen sind gut, dass es nicht nur Frauen für sich kaufen, sondern genug Männer ihre Frauen und Partnerinnen dazu drängen werden.

Möglich wäre dann ein vergleichbarer Erfolg wie ihn Pfizer mit Viagra, der Pille gegen Erektionsstörungen für Männer, erzielt hat. Seit 2003 erwirtschaftet der Pharmariese damit pro Jahr konstant zwischen 1,6 und zwei Milliarden Dollar. Eingeführt wurde Viagra 1998. Die größten Konkurrenten sind heute Cialis von Ely Lilly und Levitra von Bayer.

Sprout, gegründet von Cindy und Robert Whitehead, hätte aber heute, so wie Pfizer damals, den Vorteil, den Markt zunächst alleine zu beherrschen, da es bislang keine ähnlichen Mittel wie Addyi gibt. Wann und ob das Produkt nach Deutschland kommen wird, ist noch nicht klar.

Denn der Weg zur US-Zulassung der kleinen rosa Pille war schon hart, steinig und umstritten genug. Der Wirkstoff war bereits zweimal abgelehnt worden, beim ersten Mal 2010 als die Rechte noch beim deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim lagen, der Flibanserin ursprünglich entwickelt hatte. Sprout sicherte sich dann alle Rechte an der umstrittenen Glückspille, scheiterte 2013 erneut und startete den nächsten Anlauf. Diesmal mit Erfolg.

Kommentare zu " Pink Viagra: Mehr Sex durch Pillen?"

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  • Alter Hut

    Denken die Amis wirklich, sie sind die ersten, die ein "Potenzmittel" für die Frau auf den Markt bringen?? Dann irren sie sich aber ganz gewaltig, gibt es in Deutschland schon lange, wissen nur noch nicht alle: Lissilust.
    Besser, denn pflanzlich und somit ohne Nebenwirkungen.
    Soll die USA doch ihren chemischen Kram behalten!!

  • Viagra für die Frau
    ---------------------
    Jetzt gibt es die Sexpille für Frauen.
    „Ja, tiefer, härter, schneller: arg! Das ist geil!“.
    Ich brauche gleich eine Klinikpackung!

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