Pioniere der Wirtschaft
Reinhold Würth: „Nur Wachstum hilft gegen den Tod“

Wie Reinhold Würth zum Schraubenkönig der Welt wird, seine Verkäufer mit Luxusreisen motiviert – und warum seine Firma inzwischen ein eigener Kosmos ist.

KÜNZELSAU. Auf den ersten Blick ruht der Mensch in seinem Erfolg. Er hat ja auch alles, ein Schloss, vier Flugzeuge, ein geschätztes Vermögen von sieben Milliarden Euro, besitzt Museen, eine beispiellose Kunstsammlung, eine wohl geordnete Familie – und dazu ein Unternehmen, das mehr als 50 000 Menschen in 81 Ländern Arbeit gibt. Gelassen begrüßt er Gäste mit seinen 70 Jahren, nimmt Platz an dem Schreibtisch aus guter deutscher Eiche, der aussieht, als hätte schon der Großvater darauf Rechnungen geschrieben.

Macht Reinhold Würth aber den Mund auf, gerät der Mann mit der Schwäche für gestreifte Hemden und bunte Einstecktücher in Bewegung. Die kleinen blauen Augen flitzen hin und her. Blitzen sie gar auf wie Diamanten, hat der Chef wieder mal eine Geschäftsidee gehabt.

Und weil er eigentlich jeden zweiten Augenblick eine hat, will das Funkeln und Reden nicht enden.

Einen Vertreter wie ihn hat Deutschland keinen zweiten. Mit Leib und Seele ist Würth, der Schraubenkönig aus dem Hohenloher Land, unterwegs gewesen und noch immer auf Reisen, seit 53 Jahren. Nur wenige verkörpern die Dynamik des Unternehmertums so wie der Mann aus Künzelsau, der sich 1951 auf den Weg machte, um als Handlungsreisender in Sachen Schrauben ein Weltunternehmen auf die Beine zu stellen.

Wer Aufbruchstimmung sucht in diesem Land, der muss sich mit Reinhold Würth unterhalten.

„Schneematsch, Trümmer, kalte Füße“, daran kann er sich erinnern, als er im Januar 1950 als Lehrling für den Schraubengroßhandel seines Vaters das erste Mal unterwegs ist.

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