Pischetsrieder blockiert Übernahme
VW pocht auf mehr Einfluss bei MAN und Scania

Die Übernahme des schwedischen Lastwagenbauers Scania durch MAN will VW weiter blockieren. Konzern-Chef Bernd Pischetsrieder hat andere Pläne im LKW-Geschäft. Er hat sich erstmals offen für eine Dreierfusion von MAN, Scania und dem brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäft von Volkswagen ausgesprochen

HB LONDON. „Ich habe das Angebot zurückgewiesen und keinerlei Absicht, meine Meinung zu ändern“, sagte Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder der „Financial Times“ mit Blick auf die geplante Scania-Übernahme durch MAN. Selbst ein nachgebessertes Angebot von MAN wäre inakzeptabel, stellte er klar. Volkswagen hält als größter Scania-Aktionär 18,7 Prozent des Kapitals und 34 Prozent der Stimmrechte. Der Vernehmen nach pocht VW auf mehr Einfluss in einem möglichen gemeinsamen Unternehmen.

Ein MAN-Sprecher erklärte: „Unser Angebot steht. Wir suchen weiterhin die Zustimmung der Aktionäre.“ Für die Vorlage des endgültigen Angebots blieben noch viereinhalb Wochen. „Wir sind flexibel für Anpassungen.“ Die schwedische Finanzgesellschaft Investor als zweitgrößter Scania-Eigner erklärte am Dienstag in Stockholm, man wolle sich zur Position von Volkswagen nicht äußern. „Es gibt nichts Neues. Für uns gilt weiter, dass das bisherige Angebot von MAN nicht den wirklichen Wert und das Potenzial von Scania widerspiegelt“, sagte Investor-Sprecher Frederik Lindgren der dpa. Die von der Wallenberg-Familie kontrollierte Finanzgesellschaft hält 10,8 Prozent des Kapitals und 19,3 Prozent der Stimmrechte.

Der 9,6 Milliarde Euro schwere öffentliche Übernahmeversuch solle zu Gunsten von Gesprächen hinter verschlossenen Türen aufgegeben werden, sagte Pischetsrieder. Prinzipiell sei er dafür, Scania und MAN mit dem brasilianischen Lkw-Geschäft von Volkswagen zusammenzulegen. „Aus meiner Sicht kann das durch eine Übernahme von Scania durch MAN nicht erreicht werden“, betonte der VW-Chef. Er habe MAN-Chef Hakan Samuelsson wiederholt gesagt, dass er eine Offerte nicht gutheiße. Ein feindliches Gegengebot von Scania für MAN schloss Pischetsrieder aus.

Pischetsrieder verwies darauf, dass ein Geschäft, dass die südamerikanische Lkw-Sparte von VW einschließen würde, nicht zulässig sei, solange das Angebot für Scania vorliege. Der Grund sei, dass keine Anteilseigner bevorzugt behandelt werden könnten. „Solange alle Aktionäre gleich behandelt werden müssen, bin ich nicht interessiert.“

Er bemängelte, dass kein Aufschlag für VW und andere Inhaber von Scanias A-Aktien vorgesehen ist, die mit zehn Mal so vielen Stimmrechten ausgestattet sind wie die liquideren B-Aktien. „Niemand kann mir erklären, warum ich 50 Prozent Aufschlag für eine Kontrollbeteiligung an Scania bezahlt habe und wir jetzt für den Preis von B-Aktien verkaufen sollten“, sagte Pischetsrieder.

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