Pischetsrieder tritt ab
VW klärt die „offene Frage“

Lange konnte sich Bernd Pischetsrieder ohne die Unterstützung von Aufsichtsratschef Piech nicht an der Spitze des Wolfsburger Autokonzerns VW halten. Auch wenn es im Frühling aussah, als hätte sich der Vorstand gegen den Aufsichtsrat durchgesetzt, jetzt ist klar: Pischetsrieder geht und Piechs Duzfreund Martin Winterkorn kommt.

HB WOLFSBURG. Völlig überraschend räumt VW-Chef Bernd Pischetsrieder seinen Posten, Nachfolger wird der Audi-Boss Martin Winterkorn. VW teilte am Dienstagabend in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit, das Präsidium des VW-Aufsichtsrats und der Vorstandschef hätten sich „einvernehmlich über sein Ausscheiden zum 31. Dezember 2006 verständigt“. Das Aufsichtsratspräsidium habe sich dafür ausgesprochen, den jetzigen Audi-Chef Winterkorn zum neuen Vorstandschef zu bestellen. Darüber entscheide der Aufsichtsrat am 17. November.

Die Sprachregelung der "einvernehmlichen Trennung" deutet üblicherweise auf Auseinandersetzungen im Führungskader hin. Aus Porsche-Kreisen hieß es: „Das kam heute für uns nicht überraschend.“ Dem VW-Präsidium gehört auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking an.

Im Frühjahr dieses Jahres war viel über seinen möglichen Abschied spekuliert worden. Anfang März hatte Pischetsrieders Vorgänger, der heutige Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, eine Diskussion um die Zukunft des Vorstandschefs losgetreten. „Es ist wirklich eine offene Frage“, ob Pischetsrieders Anfang 2007 auslaufender Vertrag verlängert werde, hatte Piëch in einem Interview erklärt. Im Mai wurde der Vertrag dann bis 2012 verlängert. Doch endgültig wurde die von Piech aufgeworfene Frage erst jetzt beantwortet.

Der scheidende VW-Boss, gelernter Maschinenbau-Ingenieur, hatte vor seinem Amtsantritt in Wolfsburg eine glänzende Karriere bei BMW gemacht und war dort 1993 Vorstandschef geworden. Doch bei BMW musste Pischetsrieder gehen: Seine Vorliebe für die britische Autoindustrie brachte ihm die bis dahin schwerste Niederlage seiner Laufbahn bei: BMW hatte 1994 die angeschlagene britische Rover Group übernommen und wollte ein Massenhersteller werden. Doch nach Milliardenverlusten zog BMW 1999 die Reißleine und stieg aus. Der damalige BMW-Chef verließ den Münchner Autobauer, ihm wurde vorgeworfen, zu lange mit der Sanierung gezögert zu haben.

In einer ersten Reaktion würdigte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, dessen Land bei VW Großaktionär ist, die Arbeit Pischetsrieders. „Die niedersächsische Landesregierung dankt Dr. Bernd Pischetsrieder für die erfolgreiche Führung der Volkswagen AG in den letzten viereinhalb Jahren“, erklärte der CDU-Politiker in Hannover. Die Landesregierung wünsche seinem geplanten Nachfolger Winterkorn vorbehaltlich dessen Berufung viel Erfolg. „VW ist auf einem guten Weg, der konsequent weiter beschritten werden muss“, sagte Wulff.

Was zum Rückzug von der VW-Konzernspitze führte, wurde am Dienstagabend zunächst nicht mitgeteilt. Ein Sprecher wollte über die Börsen-Pflichtmeldung hinaus keine Angaben machen. Pischetsrieder scheide jedoch nicht vollständig bei Volkswagen aus. „Wir haben intern miteinander besprochen, dass er für Spezialaufgaben zur Verfügung stehen wird“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied der Nachrichtenagentur Reuters.

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