PKN Orlen und MOL wollen fusionieren, doch die polnische Regierung bremst die Manager
Mitteleuropäische Öl-Fusion liegt auf Eis

Die Pläne zur Fusion der beiden mitteleuropäischen Mineralölkonzerne MOL Rt und PKN Orlen bleiben vorerst in der Schublade. Die ungarische MOL kritisiert den starken Einfluss des polnisches Staates, der 28 % an PKN Orlen hält.

BUDAPEST. „Unsere unternehmerische Philosophie besteht darin, allen Aktionären den größtmöglichen Ertrag zu sichern, nicht nur einem Anteilseigner“, sagte MOL-Präsident Zsolt Hernádi dem Handelsblatt. Erst wenn das gesichert sei, könne man die Kooperation vertiefen.

Auch der Vorstandschef von PKN Orlen, Zbigniew Wróbel, sieht die Probleme in erster Linie auf der polnischen Seite. Bleibe der eher liberale Ministerpräsident Marek Belka im Amt, bestünden gute Chancen für eine Fusion mit MOL, bekräftigte Wróbel gegenüber dem Handelsblatt. Ein Machtwechsel könne das ändern. Die Regierung spielt derweil auf Zeit: Das Schatzministerium wartet nach eigenen Angaben auf eine Analyse, welchen Einfluss eine Fusion der Unternehmen auf Polens Energieversorgung haben könne. Wann die vorliegen wird, konnte ein Sprecher nicht sagen.

Die Konzernchefs sind sich einig: Sie wollen eine engere Kooperation oder gar Fusion. Gemeinsam könne man ganz Mittelosteuropa abdecken, sagte Wróbel. „Die Vereinigung wäre also ein logischer Schritt.“ Der entstehende Konzern würde zum beherrschenden Mineralölanbieter in den EU-Beitrittsländern. Unklar ist noch, wer von den beiden etwa gleich großen Unternehmen die Führungsrolle übernehmen würde.

Hernádi traut einem fusionierten Konzern einen Marktwert von knapp zehn Milliarden Dollar zu. „Damit lägen wir im Mittelfeld der europäischen Öl- und Gasgesellschaften. Nicht so groß wie BP, Shell und Total, aber immerhin der wichtigste Spieler in Zentraleuropa.“

Auch Fondsmanager fänden eine Fusion im Grunde sinnvoll. PKN Orlen habe ein gutes Tankstellennetz, während die Stärke von MOL im Raffinieren liege, sagt Ralf Luther von der Berenberg Bank. Er erwartet vor Jahresende aber keine Fortschritte. Skeptisch zeigt sich Angelika Millendorfer von Raiffeisen Capital Management: „Eine Verbindung beim heutigen Stand der Dinge wäre eher ein schlechter Kompromiss.“

Der Staatseinfluss bei PKN Orlen geht so weit, dass Regierung und Staatspräsident über die Zusammensetzung der Führungsgremien entscheiden. Vor zwei Jahren wurde der damalige Orlen-Chef Andrzej Modrzejeweski sogar von Beamten des Staatsschutzamtes verhaftet, weil die damalige Regierung in einem Ölliefertrag mit einer ukrainisch-russischen Firma eine Gefährdung ihrer Energieinteressen sah. Der Aufsichtsrat setzte daraufhin Wróbel an die Spitze des Vorstandes, dem enge Beziehungen zu Staatspräsident Aleksander Kwasniewski nachgesagt werden. Das Parlament will nun eine Kommission einrichten, die die Vorgänge prüft.

Einstweilen streben die Konzerne jeder für sich nach Größe. Gerade hat PKN Orlen mit dem tschechischen Staat die Übernahme von 63 % an Unipetrol für gut 400 Mill. Euro vereinbart. Ein Kaufangebot an die restlichen Unipetrol-Aktionäre soll folgen. „Unser Ziel ist es, auf einen Anteil von 75 bis 80 Prozent zu kommen“, sagte Wróbel.

MOL ist durch die Übernahme der slowakischen Slovnaft und durch die Partnerschaft mit der kroatischen INA inzwischen Marktführer in Ungarn, der Slowakei und Kroatien. Der ungarische Staat hält laut Hernádi 11,6 % an MOL. „Der Staat unterstützt vollständig unsere Strategie, auch mögliche Fusionen“, betont er. Der Staatsanteil könne durch Börsenplatzierung und den Verkauf von Anteilen an private Investoren 2005 weiter sinken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%