PKP verhandelt exklusiv mit deutschem Zechenkonzern – Mittwoch endet Frist für verbindliches Kaufangebot
Polen wollen für RAG-Güterbahn bieten

Die Gütersparte der polnischen Staatsbahn PKP Cargo will die Bahnaktivitäten des Essener Zechenkonzerns RAG übernehmen. Eine Vorentscheidung in dem sich seit Monaten hinziehenden internationalen Ausschreibungsverfahren könnte an diesem Dienstag fallen. Dann berät der RAG-Vorstand nach Informationen aus Konzernkreisen über den Stand der Verhandlungen.

DÜSSELDORF. PKP Cargo, die drittgrößte Güterbahn Europas, verhandelt zurzeit exklusiv mit der RAG, berichten Branchenexperten. Am Mittwoch endet die Frist, innerhalb der die Polen ein verbindliches Kaufangebot für die Bahnaktivitäten der RAG vorlegen können. Unbestätigten Spekulationen zufolge will PKP der RAG 130 Mill. Euro bieten. Auch die Deutsche Bahn hat ein Auge auf die Bahnaktivitäten der RAG geworfen, muss sich im Moment aber mit der Rolle eines Zuschauers begnügen, bestätigte RAG-Vorstandschef Werner Müller kürzlich.

In dem Projekt mit dem Namen „Lukas“ will sich die RAG komplett von dem bislang von ihr in eigener Regie betriebenen Güterverkehr der Tochter RAG Bahn und Hafen GmbH mit Kohle, Koks, Mineralöl- und Chemieprodukten trennen. In das Verkaufspaket sollen auch die Schienentransporte der RAG-Tochter Deutsche Steinkohle AG einbezogen werden.

Das Unternehmen „Lukas“ umfasst nach dem gegenwärtigen Zuschnitt im Wesentlichen die Belieferung von Produktionsstätten der RAG, darunter zehn Kraftwerke, drei Kokereien, zwölf Koks- und Kohlelager, sechs Förderstandorte und fünf Häfen. Etwas mehr als die Hälfte dieser Transportdienstleistungen werden auf dem Werksbahnnetz der RAG abgewickelt, der andere Teil geht über das Schienennetz der Deutschen Bahn. In der Branche äußert man sich verwundert darüber, dass die RAG zwar den Bahnbetrieb veräußern will, laut Ausschreibungsunterlagen dem Käufer von „Lukas“ aber keinerlei Garantie für die künftige Vergabe der Transportaufträge gibt. „Das ist unüblich und bedarf sicherlich noch der Nachverhandlung“, sagte ein Branchenberater dem Handelsblatt.

Für die Übernahme der Bahnaktivitäten der RAG hatten sich mehrere Bahnkonsortien interessiert. Mit PKP Cargo waren zunächst der deutsche Speditions- und Logistikkonzern Rhenus und die auf Chemietransporte spezialisierte BASFTochter Rail4Chem als „Kohle-Konsortium“ angetreten. Die deutschen Unternehmen hatten sich im weiteren Verfahren aber wieder zurückgezogen. In der Branche wird gemunkelt, die Partner würden auf den fahrenden Zug springen, falls die Polen tatsächlich den Zuschlag erhielten.

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