PKW-Hersteller
Japans Autobauer fahren gute Gewinne ein

Toyota, Honda und Nissan schreiben saftige Gewinne und übertreffen sogar die Erwartungen der Analysten. Ein Grund dafür: Amerikaner und Chinesen kaufen fleißig japanische Autos. Einzig die dauerhafte Stärke des Yen bereitet den Herstellern Sorge.
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TOKIO. Optimismus zu verbreiten, liegt nicht in der Natur der Japaner. Deshalb hielten sich die Vizepräsidenten von Toyota auch nicht lange auf mit der Verkündung der guten Geschäftszahlen und dem positiven Ausblick. Die dauerhafte Stärke des Yen drücke kräftig auf die positive Bilanz, klagte Vizechef Satoshi Ozawa am Freitag. "Im Wettbewerb mit deutschen und koreanischen Autos haben wir momentan eine sehr, sehr harte Zeit."

Es ist ein Jammern auf mittelhohem Niveau. Im Gegensatz zu so manchem Elektronikkonzern konnten die großen Autobauer in Japan bei der Vorlage der Ergebnisse für das erste Halbjahr ordentliche Gewinne vermelden und ihre Prognosen für das gesamte Geschäftsjahr nach oben schrauben. So stellte der weltgrößte Hersteller Toyota einen operativen Gewinn von 380 Mrd. Yen (3,3 Mrd. Euro) für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr in Aussicht - und revidierte die bisher genannte Zahl um 50 Mrd. Yen nach oben. Der Nettoprofit für das erste Halbjahr katapultierte sich aus der Verlustzone und landete bei 289,16 Mrd. Yen. Analysten hatten gleichwohl noch mehr erwartet.

Honda und Nissan übertrafen hingegen sogar die Erwartungen. Japans Nummer zwei Honda hob seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um zehn Prozent auf 500 Mrd. Yen an aufgrund von Kostenreduzierung und guter Verkäufe in den USA und China. Auf lange Sicht sei ihm nicht bange, sagte Finanzvorstand Yoichi Hojo. "Mit einer wachsenden Bevölkerung wird auch die Nachfrage zunehmen."

Besonders gut schnitt wieder einmal Nissan ab - mit einer Profitvorhersage von 485 Mrd. Yen statt der bisherigen 350 Mrd. Yen. Die Modelle sind zurzeit sehr gefragt, das Unternehmen gewann Marktanteile sowohl in den USA und China wie auch in Europa. Aber auch bei Nissan durfte ein Hinweis auf den starken Yen nicht fehlen. Man arbeite mit einem "Krisengefühl", so der operative Chef Toshiyuki Shiga. Völlig unberechtigt sind die Sorgen nicht. Im September sind die staatlichen Kaufanreize für Öko-Autos ausgelaufen und der Yen liegt noch immer in der Nähe eines 15 Jahreshoch zum Dollar, was die japanischen Autos im Ausland verteuert. Im Oktober verzeichnete die gesamte Branche einen Rückgang der Bestellungen um 23,2 Prozent.

Zum Ausgleich bauen etwa Nissan und Mitsubishi längst Pkws für den heimischen Markt in immer größerer Stückzahl in Billiglohnländern wie Thailand oder Vietnam. Auch Toyota ist mit von der Partie, wenngleich Vizepräsident Ozawa am Freitag betonte, dass Präsident Toyoda sich der Heimat verpflichte fühle. "Wir haben die Mission, die jährliche Produktion in Japan bei drei Millionen Einheiten zu halten", sagte er, "um Japans Wirtschaft und Beschäftigtenrate zu schützen."

Solch edle Ziele können sich die mittelgroßen Hersteller wie Mazda und Mitsubishi nicht leisten. Mazda sagte zwar auch einen höheren Nettogewinn für das Gesamtjahr voraus, musste jedoch das operative Ergebnis um fünf Mrd. Yen nach unten revidieren. Hinzu kommt, dass Mazda bald ohne starken Partner auskommen muss. Der US-Autobauer Ford will zum Ende des Jahres die Allianz beenden. Mitsubishi schraubte die Vorhersage für den Nettogewinn im zweiten Halbjahr um 17 Prozent nach unten.

Aber auch Toyota ist noch nicht über den Berg. Anders als etwa Nissan hinkt der weltgrößte Hersteller bei der Entwicklung von Elektroautos hinterher, der Gewinnsprung basiert auch auf einer strikten Kostensenkung. Toyota verkauft in Nordamerika zudem noch immer nicht wie vor dem Rückruf von über zehn Mio. Autos wegen angeblicher Bremsprobleme. Und das, obwohl Untersuchungen den Konzern weitgehend entlasten. Toyota schraubte denn auch die Erwartungen an Verkäufe in Nordamerika um 80 000 Auto herunter. Der Imageschaden sei groß, glaubt Analyst Koji Endo von Advanced Research Japan, und die Erholung werde dauern. "Wir werden für eine lange Zeit kein starkes Toyota sehen."

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