Pläne für 2010
Q-Cells drückt Preise im Einkauf

Günstigere Rohstoffpreise, Sparmaßnahmen in Deutschland und die Expansion ins Ausland: Der Solarkonzern Q-Cells will nach einem Milliardenverlust zügig in die Gewinnzone zurückkehren. Der weltgrößte Hersteller von Solarzellen war vom Einbruch des Solarmarktes kalt erwischt worden.
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THALHEIM. Der Solarkonzern Q-Cells will nach einem Milliardenverlust zügig in die Gewinnzone zurückkehren. "2009 haben wir Kosten sowie Kapazitäten angepasst und langfristige Verträge flexibilisiert. Im nächsten Jahr wollen wir wieder operativ profitabel sein", sagte Vorstandschef Anton Milner dem Handelsblatt. Allerdings werde das erste Quartal noch von Belastungen aus dem Umbau gekennzeichnet sein. "Im zweiten Quartal sollten wir aber die positive Wirkung des Sparprogramms spüren."

Der weltgrößte Hersteller von Solarzellen war vom Einbruch des Solarmarktes kalt erwischt worden und in die Verlustzone gerutscht. Nach den ersten neun Monaten dieses Jahres stand ein Verlust von 945 Mio. Euro in den Büchern, bis zum Jahresende wird wohl die Milliardenschwelle durchbrochen. Für die Verluste ist neben einem geringeren Absatz der Preisverfall bei Solarzellen verantwortlich, der seit Herbst vergangenen Jahres bei rund 50 Prozent liegt. Mit einer tiefgreifenden Umstrukturierung will Vorstandschef Milner das Unternehmen auf die Erfolgsspur zurückbringen.

Ein Teil der Produktion wurde von Deutschland nach Malaysia verlagert, am Stammsitz Thalheim mussten 500 Mitarbeiter gehen. Ende September arbeiteten rund 2 800 Menschen für die im TecDax notierte Gesellschaft. Randbereiche stellte Q-Cells zudem auf den Prüfstand - etwa der Verbleib der Töchter Sunfilm und Calyxo im Konzernverbund. "Wir haben nicht die finanziellen Mittel für alles, daher fokussieren wir uns", sagt Milner. Für das Jahresende rechnet er mit einer Liquidität von rund 250 bis 300 Mio. Euro.

Von der Krise auf dem Solarmarkt wurden nicht nur Q-Cells getroffen, auch die Margen der Schwergewichte Solarworld und First Solar gerieten unter Druck. "Auf die Krise war die Solarbranche nicht gut vorbereitet", meint Milner. Jetzt erwartet er aber eine Entlastung durch sinkende Rohstoffpreise. Da die Bezugsverträge für den Ausgangsstoff Silizium langfristig laufen, fallen die Preise nur mit Verzögerung. Q-Cells hat also bislang trotz geringer Erlöse für seine Solarzellen hohe Preise zahlen müssen. Um die Preissenkung dort durchzusetzen hat Q-Cells einen Liefervertrag mit dem chinesischen Siliziumhersteller LDK Solar gekündigt und damit günstigere Rahmenbedingungen erzwungen. "LDK ist uns bei den Mengen und Preisen entgegengekommen", sagte Milner.

Impulse für eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen verspricht sich Milner auch von einer besseren Nachfrage: "Experten gehen für 2010 weltweit von einem Wachstum von 40 bis 60 Prozent aus." Für das laufende Jahr rechnen sie indes mit einer Stagnation, was nach dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre einem Tritt in die Bremsen gleich-kommt. Auslöser hierfür sind die schwächere Nachfrage in Spanien sowie eine Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung von Solarprojekten.

Ein Risiko bedeutet weiterhin die Planung der Bundesregierung, die Solarförderung stärker zu kürzen, als es im Förderprogramm EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ohnehin bereits vorgesehen war. Wie stark die Beschneidung ausfällt, soll nach Beratungen mit der Solarindustrie und den Verbraucherschutzverbänden festgelegt werden. Diese hatten zu hohe Belastungen der Bürger durch das EEG kritisiert - die Subvention für die Gewinnung von Strom durch Sonnenkraft wird auf die Stromkunden umgelegt. Gegen einen gemäßigten Abbau der Fördersätze hätte Konzernchef Milner dabei nichts einzuwenden: "Die Vergütungssätze müssen nach unten angepasst werden, aber es muss ein geordneter Prozess sein." Um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben, müsse ein moderates Wachstum gewährleistet sein.

Nach dem Aufbau der Produktion in Malaysia prüft Q-Cells, wie der Absatz in Nordamerika gestärkt werden kann. Die USA gelten neben China als wichtigster Zukunftsmarkt für die junge Industrie. "Erst kürzlich haben wir ein großes Projekt in Nordamerika gewonnen, welches unsere Sichtbarkeit deutlich verbessern wird", sagte Milner. Sein Unternehmen halte sich für die Expansion alle Möglichkeiten offen. "Auf jeden Fall werden wir sowohl mit unseren Zellen, unseren Dünnschichtprodukten und unserer Kompetenz als Projektentwickler präsent sein."

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