Pläne für strategische Neuausrichtung des Rüstungskonzerns müssen noch warten
Verwaltungsrat strapaziert Geduld von Thales-Chef Ranque

Der Verwaltungsrat des französischen Rüstungsunternehmens Thales hat die Entscheidung über die strategische Neuausrichtung des Konzerns vertagt. Thales sieht sich unter Druck, da der Rüstungsmarkt immer kleiner wird und Projekte zunehmend grenzüberschreitend vereinbart werden.

vwd/ali PARIS. Vor allem die Vertreter des französischen Staates, mit 31 Prozent größter Aktionär, wollten keine Aufregung um Thales kurz vor dem politisch wichtigen Referendum zur europäischen Verfassung, hieß es. Sie hätten Thales-Chef Denis Ranque klar gemacht, es gebe eine „Dringlichkeit zu warten“, bevor er irgendeine große Transaktion für den Konzern anbahne.

Dagegen hatte Ranque dafür plädiert, dass der führende Anbieter von Rüstungselektronik in Europa einen Verbund mit Alcatel und dem italienischen Finmeccanica-Konzern gründen solle. Die Thales-Führung, muss nun Bestrebungen nach einer schnellen Neupositionierung des Konzerns in der europäischen Rüstungsbranche fallen lassen.

Thales sieht sich auf einem Rüstungsmarkt unter Druck, der zunehmend kleiner wird, weil Projekte wegen knapp bemessener Verteidigungsbudgets in Europa häufig grenzüberschreitend vereinbart werden. Im vergangenen Jahr scheiterte der Versuch von EADS, Thales zu übernehmen, nur am politischen Interesse Deutschlands, die deutsch-französische Balance beim Mutterkonzern von Airbus zu wahren.

Seither sucht Ranque nach Angaben informierter Kreise intensiv nach Wegen, die Unabhängigkeit von Thales abzusichern. Auf dem Treffen des Verwaltungsrats am Dienstag wollte Ranque seine Vorstellung für die Zukunft des Unternehmens erläutern. Die Verwaltungsrats-Mitglieder hätten Ranque jedoch gestoppt, seine Vorstellungen auszuführen. Ein französischer Regierungsvertreter sagte, es habe keinen Grund gegeben, dieses Treffen so schnell anzusetzen.

Ranques Eile erklären Beobachter damit, dass sich EADS mit dem Wechsel an der Führungsspitze zu den beiden neuen CEOs Noel Forgeard und Tom Enders in einer Übergangsphase befindet. Ranque befürchtet, dass EADS erneut versuchen könnte, Thales auszukaufen, sobald sich die neue Konzernführung konstituiert hat. Vor allem Forgeard gilt als Verfechter einer Integration von Thales.

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