Platinriese Implats
Edles Metall aus dem Busch

Vier fünftel der weltweiten Platin-Reserven liegen in der Region Bushveld in Südafrika – eine Schatzkammer mitten im Busch. Um aber an die Milliarden schweren Vorkommen des Edelmetalls heranzukommen, musste der südafrikanische Platinriese Implats einige Hürden nehmen.

KAPSTADT. Jahrzehntelang war Rustenburg eine ganz normale Kleinstadt im südafrikanischen Bushveld, 150 Kilometer westlich der Wirtschaftsmetropole Johannesburg. Wer hier nicht in der Landwirtschaft oder im Bergbau arbeitete, hielt sich in dem Ort nicht lange auf.

Doch mit dem Rohstoffboom zur Jahrtausendwende hat ein Umschwung begonnen: Neue Siedlungen und futuristische Einkaufszentren sind aus dem Boden geschossen. Das verschlafene Provinznest blüht auf und mutiert zu einem der größten Wachstumszentren am Kap.

Der Grund dafür findet sich in rund 1 000 Metern Tiefe: Platin. Mit fast 80 Prozent der weltweiten Platinreserven ist die Bushveld-Region, die vom Süden Simbabwes in den Nordwesten Südafrikas reicht, zum Eldorado geworden. Die hier in den 1920er-Jahren von dem deutschen Geologen Hans Merensky entdeckten Platinflöze sind reich genug, um den Weltmarkt noch für 100 Jahre allein zu beliefern. Kein Wunder, dass sowohl die Nummer eins, Anglo Platinum (Angloplat), als auch Konkurrent Impala Platinum – kurz Implats – ihre größten Bergwerke im Umfeld von Rustenburg haben.

Bis vor wenigen Jahren dominierte Angloplat das Geschäft mit weitem Abstand zur Konkurrenz. Der Konzern gehört inzwischen zu drei Vierteln zum Bergbaukonzern Anglo American.

Rivale Implats hatte in dieser Zeit mit unklaren Besitzverhältnissen wichtiger Vorkommen zu kämpfen: Ein großer Teil – darunter auch die wichtigste Mine, aus der 70 Prozent der Gesamtförderung des Konzerns stammen – liegt auf dem Gebiet der Bafokeng, eines 800 Jahre alten afrikanischen Stammes mit 300 000 Angehörigen, der rund um Rustenburg siedelt. Die Bafokeng wollten Implats die Schätze in ihrem Boden nicht mehr allein überlassen.

1999 konnte sich Implats endlich mit dem Stamm einigen – nach gut zehnjähriger Auseinandersetzung. Um auf ihrem Land fördern zu können, zahlt der Bergbaukonzern den Bafokeng 22 Prozent des Vorsteuergewinns, der im ersten Halbjahr 2006 bei fast 2,8 Mrd. Rand (umgerechnet 0,3 Mrd. Euro) lag. Ende vergangenen Jahres verkaufte Implats dem schwarzen Stamm dann preisgünstig auch noch Aktien im Wert von rund 3,4 Mrd. Rand. Für die anderen Implats-Aktionäre zahlte sich die Vereinbarung ebenfalls aus: Seit 1999 hat sich der Aktienkurs mehr als verzwanzigfacht. Und Platin wird als Rohstoff noch an Bedeutung gewinnen, denn anders als Gold ist das Edelmetall nicht nur als Schmuck begeht, sondern auch unverzichtbar etwa im Flugzeugbau und in der Autoindustrie, die Platin in Abgaskatalysatoren verbaut.

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