Plavix-Nachahmungen
Für Bristol-Myers und Sanofi scheint der Kampf halb verloren

Im heikelsten Patentstreit der Pharmabranche können sich die Arzneimittelkonzerne Sanofi-Aventis und Bristol-Myers Squibb (BMS) nur noch um Schadensbegrenzung bemühen. Selbst wenn es noch gelingen sollte, das US-Patent für den Bestseller Plavix zu verteidigen, erwarten viele Analysten deutliche Einbußen für das Geschäft mit dem Medikament.

FRANKFURT. Plavix dient der Vorbeugung von Herzattacken und Schlaganfällen. Derzeit versuchen die beiden Konzerne, den kanadischen Generikahersteller Apotex per einstweiliger Verfügung daran zu hindern, weiterhin eine Nachahmer-Version von Plavix in den USA zu vermarkten. Die Verhandlung in diesem Verfahren wurde am gestrigen Dienstag fortgesetzt. Eine Entscheidung lag bis Redaktionsschluss aber nicht vor. Das eigentliche Patentverfahren soll erst im Januar beginnen.

Mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 4,7 Mrd. Euro (davon rund 3,1 Mrd. Euro auf dem US-Markt) ist Plavix das erfolgreichste Produkt der Pharmabranche nach dem Cholesterinsenker Lipitor von Pfizer. Das US-Patent für die Substanz läuft noch bis 2011, wird aber von mehreren Generikafirmen attackiert. Und obwohl die eigentlichen Patentverfahren noch längst nicht entschieden sind, hat Apotex am 8. August damit begonnen, eine preiswertere Plavix-Variante zu verkaufen.

„Wenn es Sanofi-Aventis und BMS nun gelingen würde, Apotex mit einer einstweiligen Verfügung zu stoppen, wäre das kurzfristig zwar positiv“, urteilt Pharmaexperte Giusep Demont von der Schweizer Bank Vontobel. „Aber die Vertriebskanäle mit generischem Plavix sind inzwischen gut gefüllt und es wäre es wohl schwierig, den Preisverfall rückgängig zu machen.“

Dass der Patentstreit derart eskalieren konnte, geht ausgerechnet auf den Versuch der beiden Pharmariesen zurück, Apotex mit finanziellen Zugeständnissen vom Markteintritt abzuhalten. Ein in März vereinbarter, Vertrag sah die Zahlung von 40 Mill. Dollar sowie exklusive Lizenzen für das kanadische Unternehmen vor. Im Gegenzug verpflichtete sich Apotex, Plavix maximal ein halbes Jahr vor Patentablauf 2011 auf den Markt zu bringen. Der Deal wurde jedoch von der US-Kartellbehörde FTC und mehreren Staatsanwälten zu Fall gebracht und hat BMS strafrechtliche Ermittlungen wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen eingebracht.

Fatal für den US-Konzern BMS ist vor allem aber die Tatsache, dass man sich in dem Vertrag mit Apotex auf eine deutliche Begrenzung möglicher Schadenersatzforderungen eingelassen hat und damit ein wichtiges Abschreckungs-Instrument aus der Hand gegeben hat. Zudem verpflichteten sich BMS und Sanofi-Aventis, eine einstweilige Verfügung gegen den Vertrieb von generischem Plavix frühestens fünf Tage nach Start der Vermarktung zu beantragen. Apotex hatte damit auf jeden Fall genug Zeit, den Großhandel mit umfangreichen Plavix-Beständen zu überfluten.

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