Pleite
Klavierhersteller Schimmel ist insolvent

Erneut ist ein deutscher Traditionskonzern Insolvenzantrag gestellt. Der Klavierhersteller Schimmel ist zahlungsunfähig. 124 Jahre Geschichte stehen nun auf dem Spiel. Aber es gab zuletzt mehrere Beispiele dafür, dass eine Insolvenz nicht das Ende ist. Der Porzellanhersteller Rosenthal konnte zum Beispiel gerettet werden.

DÜSSELDORF. Der deutsche Flügel- und Klavierbauer Schimmel zieht die Reißleine. Nachdem die Wirtschaftskrise und eine zu starke Abhängigkeit vom US-Markt das Traditionsunternehmen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht haben, beantragten die Braunschweiger jetzt Insolvenz. Unternehmenschef Hannes Schimmel-Vogel hofft, sein Traditionsunternehmen dadurch zukunftssicher neu aufstellen zu können.

Das muss in einem schwierigen Marktumfeld passieren. Schimmel erzielte im ersten Halbjahr dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen um 40 Prozent geringeren Absatz. Das lag vor allem am kriselnden US-Markt wo zwei Drittel des Umsatzes wegbrachen. Das trifft Schimmel hart, weil die Firma dort ein Drittel ihres Umsatzes erzielt. „Wichtige Exportmärkte brachen über Nacht zusammen“, sagte Schimmel-Vogel.

Insgesamt erwirtschafteten die 144 Mitarbeiter im vergangenen Jahr einen Umsatz von 23,8 Mio. Euro. Ihre Arbeitsplätze soll der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Schmitz nun retten. Das dürfte nicht leicht werden. Denn Schimmel ist einer der letzten Überlebenden in einer seit Jahren in Deutschland dahinsiechenden Branche.

Seit Mitte der 90er Jahre setzt vor allem die Billig-Konkurrenz aus Fernost den deutschen Klavier- und Flügelherstellern zu. Weltweit kommen nach Angaben des Bundesverbandes Klavier jährlich 450 000 neue Klaviere und Flügel auf den Markt – 280 000 davon allein aus China. Die derzeit noch zwölf deutschen Hersteller bauen dagegen jährlich rund 10 000 Klaviere und 2500 Flügel. 2500 Mitarbeiter sind in der deutschen Branche beschäftigt, schätzt Verbandschef Burkhard Stein.

Doch nicht nur die Wirtschaftskrise und die Billigkonkurrenz lassen die Hersteller Moll-Töne anschlagen. Auch der Anteil des Gebrauchthandels am Geschäft mit den Tasteninstrumenten steigt. „Die Klaviere, die wir vor 20 Jahren gebaut haben, machen uns heute Konkurrenz“, sagt Stein. In den vergangenen zehn Jahren habe sich das Geschäft mit Gebrauchtklavieren allein im Handel verdoppelt. Hinzu kommt das unübersichtliche aber ebenfalls florierende Privatgeschäft. Bis zu 22 000 neue Klaviere und Flügel verkauft der deutsche Einzelhandel demnach im Jahr. Noch einmal so viele Instrumente würden gebraucht gehandelt.

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