Pleite zu Weihnachten
6.600 Arbeitsplätze bei Manroland in Gefahr

Der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller Manroland hat Insolvenz beantragt. Rund 6.600 Beschäftigte müssen einen Monat vor Weihnachten um ihre Jobs fürchten. Auch der Konkurrenz steht das Wasser bis zum Hals.
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München/OffenbachEs ist seit Arcandor die größte Pleite in Deutschland innerhalb der letzten beiden Jahre: Der angeschlagene Druckmaschinenhersteller Manroland hat beim Amtsgericht in Augsburg einen Insolvenzantrag einreicht, nachdem die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor auf der Zielgerade gescheitert sind. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Werner Schneider bestimmt.

Manroland will das Insolvenzverfahren für einen grundlegenden Umbau nutzen und möglichst viele Einheiten sanieren. „Bei aller Enttäuschung über den einzuschlagenden Weg bietet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinreichend Chancen, weil das Unternehmen überzeugende Produkte, das nötige Know-how und eine exzellente Mannschaft hat“, teilte der Konzern in Augsburg mit und bestätigte damit erstmals selbst die Pleite des traditionsreichen Unternehmens. „Auslöser für den Insolvenzantrag ist der erneute dramatische Einbruch im Auftragseingang, der seit Mitte Juli zu beobachten ist und sich zuletzt beschleunigt hat“, heißt es in der Mitteilung. Zudem klagten viele Kunden infolge der Finanzkrise über Schwierigkeiten, Aufträge finanzieren zu können.

Damit müssen rund 6600 Beschäftigte des seit Jahren kriselnden Konzerns um ihre Arbeitsplätze bangen. Die Mitarbeiter sollen bereits für den November keine Löhne und Gehälter mehr ausgezahlt bekommen. Das berichtete die Betriebsrätin des Werkes Offenbach, Alexandra Roßel, am Freitag nach der Betriebsversammlung, die in einen Protestzug mündete. Wegen mangelnder Auftragslage hat der Konzern im Oktober die Arbeitszeiten am Stammsitz in Offenbach verkürzt und an den beiden weiteren Standorten in Augsburg und Plauen wird bereits seit März 2009 kürzer gearbeitet.

Hoffnungsschimmer für die Konkurrenz

Während um den einen die Geier kreisen, steigen an der Frankfurter Börse die Kurse des ebenfalls gebeutelten Rivalen Heidelberger Druck zeitweise um bis zu zehn Prozent. Eine Insolvenz von Manroland würde einen Konkurrenten aus dem Markt nehmen, erklärten Händler diese Reaktion. Auch die Papiere des Würzburger Unternehmens Koenig & Bauer (KBA) zogen an der Börse um mehr als fünf Prozent an. Die Wettbewerber hatten unter dem Preiskampf gelitten, den Manroland angezettelt hatte, um an Aufträge und frisches Geld zu kommen. Eine Marktbereinigung wäre dringend nötig, hieß es in Branchenkreisen.

Seit längerem haben der Allianz-Investor Allianz Capital Partners (ACP) und MAN nach einem Käufer für das kriselnde Unternehmen gesucht - bislang ohne Erfolg. ACP hält 75 Prozent der Anteile und 65 Prozent der Stimmrechte. Ein Viertel der Anteile und 35 Prozent der Stimmrechte liegen bei MAN. Möglicherweise suchen beide Partner nun die Lösung in einem Insolvenzverfahren.

Die IG Metall wirft den Anteilseignern mangelnde finanzielle Hilfe vor. Die Alteigentümer seien nicht zu weiterer Unterstützung bereit gewesen, nachdem sich ein möglicher Investor überraschend zurückgezogen hatte, erklärte der stellvertretende Manroland-Aufsichtsratvorsitzende Jürgen Kerner am Freitag in Frankfurt. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat seien bestürzt über die Entscheidung. „Ein Unternehmen mit über 160-jähriger Geschichte und tausenden hochqualifizierten Beschäftigten kann man nicht einfach abschreiben“, sagte auch Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. Unternehmen, Staatsregierung und Gewerkschaften müssten nun an einen Tisch.

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  • Händeringend werden Fachkräfte gesucht also ich geh mal davon aus das der Novemberlohn nicht mehr ausbezahlt wird. Advent, Advent wer hat den XXL Aufschwung verpennt. Ab zur von der Leyen die besorgt euch einen Händeringenden Aufsichtsrat der nach euch giert, denn Gier kennt keine Hemmungen. Sofort in die Wekhalle und ein anderes Maschinchen schrauben, kann aber auch sein das ist alles nur Schein

  • Jetzt müsst ihr leider auch Handelsblatt-Skeptiker werden, da ich hier in letzter Zeit einige wirklich kritische Texte mit inkludierten, neuen Informationen gelesen habe, die das HB so noch nie hat bieten können und/oder wollen.

    Sie sind bankenkritisch, industrie- und politkritisch gewesen, aber sehr ernst zu nehmen - was eure ja offensichtlich nicht sind, sonst wären sie nämlich auch verschwunden. Also: Weiter viel Erfolg mit Unsinn den Lesern und sehr viel Erfolg dem HB mittels Zensur. - Leider könnt auch ihr Handelsblattler die Welt nicht ändern, dafür dürft ihr euch als Oberoberobermittläufer wohlfühlen, auch durch Beschiss am eigenen Volke.

  • Endlich hat einer verstanden wie der Hase läuft!

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