Pokerspiel um Nachbesserungen beginnt
MTU-Verkauf geht in die heiße Phase

Im Milliardenpoker um den Verkauf der Daimler-Tochtergesellschaft MTU Friedrichshafen steht der Autokonzern unmittelbar vor einer entscheidenden Weichenstellung. Die Interessenten KKR, EQT und MAN haben ihre Angebote für die Daimler-Tochter abgegeben.

STUTTGART/FRANKFURT. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen lief gestern die Frist für die drei noch im Rennen befindlichen Interessenten ab, ihre verbindlichen Angebote vorzulegen. „Wir haben unser Angebot abgegeben“, bestätigte gestern ein Sprecher des MAN-Konzerns auf Anfrage. In Finanzkreisen wird deshalb noch im Laufe der Woche eine Entscheidung von Daimler erwartet, mit welchem Investor die Verkaufsverhandlungen fortgeführt werden sollen. Neben dem Münchener Mischkonzern buhlen auch die beiden Finanzinvestoren KKR und EQT um das Unternehmen vom Bodensee. Daimler selbst gibt keinen Kommentar zur Sache ab.

Der Betriebsrat von MTU lehnt einen Verkauf an KKR allerdings weiterhin ab, wie ein Sprecher sagte. KKR gilt in Finanzkreisen als Favorit für eine Übernahme. Der Finanzinvestor hatte Ende 2003 von Daimler-Chrysler bereits den in München ansässigen Triebwerkhersteller MTU Aero Engines für rund 1,5 Mrd. Euro gekauft und an die Börse gebracht.

Der schwedische Finanzinvestor EQT, der zum Wallenberg-Imperium zählt, hat dagegen bei den Belegschaftsvertretern, die einen Verkauf an MAN bevorzugen würden, Punkte gut gemacht, hieß es. Zu den Beratern von EQT gehört unter anderen Eckhard Cordes, der bei Daimler-Chrysler den Machtkampf um die Nachfolge von Jürgen Schrempp als Vorstandschef verloren hatte und danach den Konzern im August verließ.

In den vergangenen Wochen hatten alle drei Interessenten mit ihren Konzepten um die Zustimmung des MTU-Managements und des Betriebsrats geworben. Während die Finanzinvestoren den Börsengang von MTU als eigenständiges Unternehmen propagieren, würde der MAN-Konzern die Friedrichshafener in seine Dieselsparte integrieren. Es wäre der erste große strategische Zukauf von MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson, der sich bislang durch das rasche Abstoßen von Randaktivitäten des Konzerns hervorgetan hat.

Zum Verkaufspaket gehören neben dem Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen auch Teile des US-Motorenbauers Detroit Diesel. Daimler dringt auf einen Verkauf möglichst noch im laufenden Jahr, um mit dem Buchgewinn die Belastungen von 950 Mill. Euro aus dem geplanten Abbau von 8 500 Stellen bei Mercedes abzufedern, die Großteils noch in diesem Jahr zu Buche schlagen werden. Ziel von Daimler ist nach Einschätzung hochrangiger Manager, einen Preis von 1,7 Mrd. Euro zu erlösen. Nach der Veräußerung des Anteils von Daimler Chrysler am japanischen Autobauer Mitsubishi Motors, die rund 500 Mill. Euro netto in die Kasse spülte, ist jedoch der Druck geringer geworden, den Verkaufsprozess noch unbedingt in diesem Jahr zu Ende zu bringen.

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