Politik und Autoindustrie Neue Autos für saubere Luft

Nicht mit Fahrverboten oder Umweltzonen wollen Politik und Autoindustrie der Luftverschmutzung Herr werden. Der Weg zu besserer Luft führe über Autos mit wenig Abgasen. Da sind sich Politik und Industrie (fast) einig.
Im Kampf gegen die Luftverschmutzung könnten E-Autos helfen. Doch die Anschaffung ist teuer, eine Kaufprämie wird hitzig diskutiert. Quelle: dpa
Autoabgase

Im Kampf gegen die Luftverschmutzung könnten E-Autos helfen. Doch die Anschaffung ist teuer, eine Kaufprämie wird hitzig diskutiert.

(Foto: dpa)

HamburgDer Weg zu besserer Luft in Städten führt nicht über Fahrverbote oder Umweltzonen, sondern über Autos mit wenig oder ganz ohne Abgase. Das ist der - mit Ausnahmen - gemeinsame Nenner der Automobilindustrie, der Bundesregierung und der deutschen Großstädte nach einem Treffen am Montag in Hamburg

„Wir können gemeinsam zum Gelingen beitragen, wenn wir auf den technischen Fortschritt setzen und gleichzeitig für optimale politische Rahmenbedingungen sorgen“, sagte der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zum Auftakt der Gesprächsrunde im Hamburger Rathaus.

„Unser Ziel ist mehr Mobilität mit weniger Emissionen“, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Er wies auf das Elektromobilitätsgesetz hin, das es den Kommunen erlaubt, die Fahrer von Elektro-Autos zu privilegieren, zum Beispiel durch besondere Fahrspuren. Für Fortschritte bei der Elektro-Mobilität sei es notwendig, ein engeres Netz von Ladestationen zu schaffen.

Populäre Elektroautos sind leider teuer
Renault Twizy, bis 18 PS, bis 100 km Reichweite
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Genau genommen ist der Renault Twizy kein Elektroauto, in der Zulassungsstatistik läuft er als Quad. Dennoch kann er als preisgünstiger Einstieg in die Elektro-Welt herhalten. Dabei zeigt sich der kleine Elektroflitzer erstaunlich wertstabil: Neu ist er ab 7.000 Euro zu haben, die Gebraucht-Preise liegen in einem Ranking des Vergleichportals AutoUncle.de bei 6.850 Euro. Dafür gibt es einen Twizy des Jahrgangs 2012, der im Schnitt bereits 9.500 Kilometer gefahren ist. Für das Ranking haben die Gebrauchtwagen-Experten die Internet-Inserate von 1.589 in Deutschland zum Verkauf angeboteten Elektroautos untersucht. Einzige Voraussetzung neben dem Elektro-Antrieb: Von jedem Modell mussten mindestens 20 Inserate vorliegen, um Exoten auszuschließen.

Mitsubishi EV, Peugeot iOn und Citroën C-Zero
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Eine weitere Erkenntnis der AutoUncle-Studie: Elektroautos sind am häufigsten weiß lackiert – über die Hälfte der aktuell zum Verkauf stehenden Elektroautos sind in neutralem Weiß gehalten. Wie auch dieser Citroën C-Zero mit 67 PS und maximal 150 km Reichweite. Das Trio Mitsubishi EV, Peugeot iOn und Citroën C-Zero läuft baugleich in Japan vom Band. Als Gebrauchtwagen unterscheiden Sie sich aber deutlich: Von 11.995 Euro für den C-Zero (7.226 Kilometer) über 13.945 Euro für den iOn mit 14.722 Kilometern bis zum Mitsubishi für glatte 16.000 Euro (17.578 Kilometer) ist die Bandbreite groß. Wer nicht an eine Marke gebunden ist, kann hier einige tausend Euro sparen.

Renault Fluence, 95 PS, 185 km Reichweite
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Trotz der Limousinen-Form taugt der Fluence kaum als Familienauto, der Kofferraum ist zum Großteil mit Akkus gefüllt. Deshalb hat sich der Fluence auch nie so recht durchgesetzt – entsprechend sehen die Gebrauchtwagenpreise aus. Statt des Neupreises von 25.950 Euro wird ein Fluence des Jahrgangs 2012 mit 9.850 Kilometern für gerade einmal 14.980 Euro gehandelt. Übrigens: Nur sechs Prozent der Elektroauto-Angebote kommen von Privatverkäufer, der Großteil von Händlern.

Renault Kangoo ZE
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Für einen neuen Kangoo ZE verlangt Renault 22.660 Euro zuzüglich der monatlichen Kosten für die Batterie. Gebraucht gibt es den Elektro-Lieferwagen mit 44 kW Leistung bereits ab 17.895 Euro. Für diesen Preis hat der Kastenwagen aus dem Jahr 2012 im Schnitt 6.550 Kilometer auf der Uhr. Er kommt maximal 170 km weit mit einer Batterieladung.

Smart Fortwo ED mit 75 PS und 145 km max. Reichweite
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Neu kostet ein Smart Fortwo electric drive 18.910 Euro – mindestens, denn die Aufpreisliste ist lang. Gebraucht kostet ein Elektro-Smart des Jahrgangs 2014 nicht viel weniger: AutoUncle listet den kleinen Zweisitzer mit 17.990 Euro bei 4.565 Kilometern Laufleistung. Da der Wagen fast neuwertig ist, liegen auch die Preise noch fast auf Neuwagen-Niveau. Die Gebrauchten dürften aber etwas besser ausgestattet sein als ein "nackter" Neuwagen.

Renault Zoë mit 120 PS und 210 km theoret. Reichweite
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Beim Renault Zoë ist zu beachten: Er kann nur per Adapter an einer Haushaltssteckdose geladen werden, eine (teure) Wallbox ist eigentlich Pflicht. Hat man aber eine Ladesäule gefunden, gehört der Zoë zu den Schnellladern. Verglichen mit anderen Elektroautos ist sein Wertverlust relativ groß: Statt zum Neupreis von 21.700 Euro werden gebrauchte 2014er-Modelle mit 5.900 Kilometern für 19.028 Euro gehandelt. Aber Vorsicht: Beim Zoë fallen monatliche Zusatzkosten für die Batterie an.

VW E-Up mit 82 PS und 160 km max. Reichweite
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Größer als beim Renault Zoë ist die Differenz zwischen Neuwagen- und Angebotspreis beim VW E-Up. Mit durchschnittlich 4.696 Euro haben die angebotenen e-Ups eine ähnliche Laufleistung wie der Smart, sind aber aus dem Jahr 2013. Mit 21.950 Euro im Internet unterbietet der Elektro-VW den Neuwagenpreis von 26.900 Euro deutlich.

Für die Automobilindustrie erklärte deren Verbandschef Matthias Wissmann, der Verkehrssektor sei für rund ein Drittel der Stickoxide in Deutschland verantwortlich. Mit einem modernen Euro-6-Diesel lasse sich die Problematik weitestgehend bereinigen. Zudem seien die Emissionen des Verkehrs geringer, wenn er flüssig laufe. Eine Kombination aus schnellstmöglicher Erneuerung der Flotte, digitalem Verkehrsmanagement und moderner Abgasnachbehandlung könne die Luftqualität in Städten wirksam verbessern.

VW-Chef Matthias Müller sprach sich gegen Fahrverbote oder die Verschärfung von Umweltzonen aus. Zur Durchsetzung des Elektro-Autos sei ein stimmiges Gesamtpaket notwendig, sagte er weiter. „Dazu gehört eine funktionsfähige sichtbare Infrastruktur.“ Das sei die Voraussetzung dafür, dass bei den Kunden das notwendige Vertrauen in die Elektromobilität wachsen könne.

Dagegen sprach sich der Deutschland-Chef der japanischen Importmarke Nissan, Thomas Hausch, vorsichtig für Einschränkungen aus. „Eine Möglichkeit ist, dass nur noch komplett emissionsfreie Fahrzeuge in eine Innenstadt fahren dürfen“, sagte Hausch, der bei dem Gespräch in Hamburg nicht dabei war, zu manager-magazin.de. „Eine andere Variante wäre eine Gebühr für Autos mit Verbrennungsmotor.“

Die Umweltorganisation BUND demonstrierte vor dem Rathaus gegen die Luftverschmutzung. „Es ist bezeichnend, dass zu so einem Treffen Vertreter der Automobilindustrie eingeladen werden und die Verbände, die sich seit Jahren auf allen Ebenen für saubere Luft in Hamburg engagieren, vor der Tür bleiben“, sagte Geschäftsführer Manfred Braasch.

Am Dienstag trifft sich die Automobilindustrie mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin zu einem Gespräch über Elektromobilität. Die Hamburger Gesprächsrunde sei als Auftakt zu verstehen, sagte Scholz. Eine Fortsetzung sei geplant.

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  • dpa
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