Politiker aus Berlin und Brüssel sind sich einig und drohen mit gesetzlicher Vorschrift
Vorstände sollen ihre Bezüge künftig einzeln ausweisen

Börsennotierte Unternehmen werden möglicherweise spätestens in zwei Jahren die Bezüge ihrer Vorstandsmitglieder einzeln veröffentlichen müssen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) drohte am Donnerstag auf der deutschen Corporate-Governance-Tagung in Berlin indirekt mit gesetzlichen Vorschriften, falls die Unternehmen der Veröffentlichung nicht freiwillig nachkommen.

zel BERLIN. Zypries kritisierte dass erst ein gutes Drittel der großen deutschen Dax-Konzerne die Vorstandsgehälter individuell ausweist. „Dieses Ergebnis ist für uns nicht zufriedenstellend“, sagte die Ministerin.

Die Diskussion um Vorstandsbezüge ist eine zentraler Punkt bei der Verbesserung der Corporate Governance (offene und transparente Unternehmensführung) deutscher Konzerne. Einmal im Jahr kommt die nach dem früheren Thyssen- Krupp-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Cromme benannte Regierungskommission in Berlin zusammen, um neue Anstöße in Sachen Corporate Governance zu geben.

Seit zwei Jahren gibt es den Cromme-Kodex, der den individuellen Gehaltsausweis auf freiwilliger Basis und damit ohne gesetzliche Verpflichtung vorschlägt. Mit dem Kodex wollte die Wirtschaft ein zusätzliches Gesetz verhindern.

Auf der Berliner Tagung erhielt Justizministerin Zypries breite Unterstützung für ihre Forderung nach dem individuellem Gehaltsausweis. Kommissionsvorsitzender Cromme beklagte die geringe Bereitschaft der Konzerne, sich genauer in die Bücher schauen zu lassen.

„Weitere Unternehmen müssen folgen, wenn eine gesetzliche Regelung vermieden werden soll“, sagte der frühere Thyssen-Chef. Damit könne die Transparenz in den Unternehmen verbessert werden. Die Anteilseigner sollten künftig genau wissen, wie jedes einzelne Vorstandsmitglied bezahlt wird.

Auch Christian Strenger, der frühere Chef der Investmentgesellschaft DWS, sprach sich für die einzelne Veröffentlichung aus. „Die individuelle Leistung muss nachgewiesen werden“, sagte er. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hält dies ebenfalls für unverzichtbar. „Ich kann nur in aller Nachdrücklichkeit ermutigen, sich nicht von landläufigen Neid-Debatten abschrecken zu lassen“, sagte er auf der Berliner Tagung. Eine gesetzliche Regelung müsse auf jeden Fall verhindert werden.

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