Politiker legt Mandat nieder
Griechenland: MAN unter Schmiergeld-Verdacht

Die mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen beim Mischkonzern MAN beschäftigen jetzt auch die Justiz in Griechenland – und haben bereits ein erstes politisches Opfer gefordert: Am Wochenende legte der frühere sozialistische Verkehrsminister Christos Verelis sein Abgeordnetenmandat nieder.

HB ATHEN. In seiner Amtszeit erhielt die MAN-Tochter Neoman Ende 2002 Aufträge für die Lieferung von 140 Trolleybussen für die Athener Nahverkehrsgesellschaft Ilpap. Der Athener Staatsanwalt Giannis Sakellakos hat jetzt im Eilverfahren Vorermittlungen angeordnet. Er will klären, ob es bei der Auftragsvergabe finanzielle Unregelmäßigkeiten gab. Dieser Verdacht steht im Raum, seit die Münchener Staatsanwaltschaft vergangene Woche die Münchener MAN-Konzernzentrale, mehrere Niederlassungen sowie drei Privatwohnungen durchsuchen ließ. Nach Aussage des Münchener Oberstaatsanwaltes Manfred Nötzel gibt es Hinweise darauf, dass MAN den Absatz von Lkw und Bussen im In- und Ausland mit Schmiergeldern angekurbelt hat.

Wie das Magazin "Focus" berichtete, hat die Staatsanwaltschaft München inzwischen einen früheren leitenden MAN-Manager vorläufig festnehmen lassen. Er wird laut "Focus" verdächtigt, Gelder des Konzerns auf das Schweizer Konto einer Moskauer Beratungsgesellschaft transferiert zu haben. Dabei könnte es sich um eine schwarze Kasse für illegale Provisionen handeln. Der verdächtige Manager hat laut "Focus" ausgesagt, es habe sich bei den Zahlungen um "Schutzgelder" gehandelt.

Kurz vor Weihnachten 2002 bestellte die staatliche Athener Nahverkehrsgesellschaft Ilpap bei Neoplan 90 zweiachsige Trolleybusse und 50 dreiachsige Gelenkbusse mit Elektroantrieb. Das Auftragsvolumen belief sich auf 85,9 Mio. Euro. Mit den neuen Bussen sollte das marode Athener Nahverkehrsnetz rechtzeitig zu den Olympischen Spielen 2004 aufgemöbelt werden. Tatsächlich erfreuten sich die nach einem Entwurf des griechischen Designers Giannis Tseklenis fröhlich in gelb und lila lackierten Busse schnell großer Beliebtheit. Bequeme Sitze, komfortable Federung, leise und umweltfreundlich dank des Elektroantriebs: eine echte Bereicherung für Athen.

Bereichert haben sich aber auch möglicherweise Leute, die auf die Bestellung Einfluss hatten. "Einige Bedienstete" hätten pro Fahrzeug von Neoman rund 500 Euro "Provision" kassiert, berichtete am Samstag die Athener Zeitung "Ta Nea" unter Berufung auf die Umgebung des zurückgetretenen Ex-Ministers Verelis. Der versichert, er selbst habe mit der Auftragsvergabe nichts zu tun gehabt. Seinen Rücktritt will Verelis auch keinesfalls als Schuldeingeständnis verstanden wissen: "Mich belastet nichts, ich habe nichts zu befürchten", schreibt Verelis in seinem Rücktrittsbrief. Im Zusammenhang mit der "angeblichen MAN-Affäre", so der sozialistische Politiker, habe er in nächster Zeit mit massiven Angriffen rechnen müssen; mit seinem Ausscheiden aus dem Parlament wolle er Schaden von seiner Partei vor der Europawahl abwenden.

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