Porsche-Betriebsrat
Uwe Hück gibt sich kampfbereit

In seinen 50 Lebensjahren hat sich Uwe Hück vom Heimkind zum Betriebsratsvorsitzenden bei Porsche hochgearbeitet. Seine Biografie ist eine kämpferische Abrechnung mit alten Freunden, neuen Feinden und der Politik.
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Düsseldorf/ZuffenhausenTänzelnd nähert sich der fast zwei Meter große Mann mit dem kahlen Schädel der Zukunft. „Alles, was ich mache, ist nicht geplant“, sagt Porsches Betriebsratschef Uwe Hück. „Ich bin Betriebsrat geworden statt Weltmeister im Thaiboxen, dann Aufsichtsrat und habe mit Porsche-VW einen der größten Wirtschaftskrimis hautnah erlebt.“ Hücks Lehre aus seinem Berufsleben, das ihn 1985 als Lackierer zu Porsche brachte: „Ich weiß nicht, was der Herrgott als Nächstes mit mir vorhat.“

Eine Idee hat der 50-Jährige schon. Wer seine heute erscheinende Autobiografie („Volle Drehzahl“, Campus Verlag) liest, merkt schnell: Hier fühlt sich einer berufen, der als Kind ungerecht behandelt wurde, die Dinge politisch besser zu machen.

Hück, der weder eine Geburtsurkunde noch Bilder seiner Eltern besitzt, schildert etwa seine schwierige Jugend, die er in Waisenhäusern verbrachte und seine Konflikte, die er mit seinen strengen Erziehern und Lehrern ausgefochten hat. Er schreibt von seiner Karriere als Thaiboxer und wie er von seinem Manager betrogen wurde. Bildreich beschreibt er auch seinen schwierigen Start bei Porsche, wo er zunächst abgelehnt wurde und dann von einem schwierigen Meister getriezt wurde. Und wie er es trotzdem geschafft hat, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen.

Zwischen den Zeilen wird klar: Hück will zeigen, wie er zum Kämpfer gegen die Ungerechtigkeiten des Lebens wurde - und er will andere ermuntern, es ihm nachzutun. Sein Buch ist den Kindern gewidmet, die glauben, keine Chance zu haben. Er liebt das Bild des Boxers im Ring, sieht sich als Mann des Volkes, als Working-Class-Hero. Nun scheint der kahlköpfige Hühne an der Spitze des Porsche Betriebsrates einen neuen Kampfplatz für entdeckt zu haben: Die Politik.

„Die Schulpolitik in Deutschland ist falsch“, sagt Hück im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Zustand der Hauptschulen? „Miserabel.“ Die Reichen müssten mehr freiwillig geben, besonders für Bildung. Kinderarmut will er gesetzlich verbieten lassen. Jedem Kind müsse man ein Recht auf Bildung zusichern.

„Ich will nicht über ein Buch in die Politik einsteigen. Die Menschen müssen auf mich zukommen“, sagt Hück, der seit 1982 Mitglied der SPD ist. Doch sein Buch wirkt wie eine Bewerbung - mit ausgezeichneten Referenzen. Ein ganzes Kapitel widmet er seinen politischen Freunden. Hück lässt mehrere Politiker als Fürsprecher in seinem Buch auftreten: Ex-Kanzler Gerhard Schröder, Ex-SPD-Chef Franz Müntefering und selbst den ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Stefan Mappus. Er schreibt über sein soziales Engagement als Vorsitzender des Sportvereins FSV Buckenberg im Pforzheimer Migrantenviertel Haidach, über seinen Einsatz für Integration und die Liebe zu seiner vietnamesischen Frau. Und er schwärmt von Herbert Wehner und Willy Brandt.

In der Kanzlerfrage scheint Hück sich festgelegt zu haben. „Ich glaube, dass dieses Land wieder einen sozialdemokratischen Bundeskanzler braucht“. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel lobt er als wortgewandt, ehrlich und bescheiden. Auf den letzten Seiten seines Buches veröffentlicht er sogar eine Rede, die der SPD-Chef zu seinem 50. Geburtstag gehalten hat. Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück werden in seinem Buch nicht erwähnt. „Wenn jetzt die Gelegenheit kommen sollte, und es heißt: Uwe, rede nicht nur, übernimm Verantwortung, dann mache ich es“, sagt Hück.

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Hück in die Politik? Einige Genossen zweifeln

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  • Betriebsräte leben wie die Maden im Speck von der Arbeit ihrer (ehemaligen) Kollegen. Sie sind inzwischen sogar zu Antreibern und Aufsehern mutiert.

    Da ist mir der Kapitalist mit Zylinder, Zigarre und Zeigefinger weitaus lieber.
    Herr Hück, wenn sie soviel draufhaben: Unternehmer werden, und zeigen, was sie können. Und wenn das nicht Ihr Ding ist: Politiker, auch recht. Aber nicht Bonze bei den Sozis, davon haben wir genug und ob gute oder schlechte Parteibonzen, das ist auch ganz Wurst. Gehn Sie zu den Piraten!

  • Wackerer Arbeitsmann? Arbeiterbürokrat wäre besser.


  • Lieber Herr Hück, früher war die SPD mal eine Arbeiterpartei. Arbeit bedeutet, man tut etwas, das anderen nützt. Heute ist das eine Partei von linken Schmalspurintellekuellen, für die Arbeit und Wirtschaft etwas völlig fremdes ist. Unter Solidarität versteht die SPD, dass das, was die Bevölkerung erarbeitet, an befreundete Regierungen und deren Banken weiterverschenkt wird - ohne Gegenleistung versteht sich.

    Und da wollen Sie als wackerer Arbeitsmann mitmachen ?

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